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Filmszene aus Der Albaner

Der Albaner

Deutschland/Albanien 2010

Regie: Johannes Naber
Drehbuch: Johannes Naber, Andeta Spahivogli, Christoph Silber, Alexander Steimle
Darsteller: Stipe Erceg, Eva Löbau, André Hennicke, Ivan Shvedoff, Nik Xhelilaj, Xhejlane Terbunia
Kamera: Sten Mende
Schnitt: Ben von Grafenstein
Musik: Oliver Biehler
Produktion: Neue Schönhauser Filmproduktion in Zusammenarbeit mit ARTE, On Film Production, Südwestrundfunk
Dauer und Format: 104 Min., 35 mm, Farbe, Dolby Digital
Sprache: OmU Albanisch/Deutsch
Preise: Max-Ophüls-Preis 2011

Eine Reise auf die Schattenseite des Europäischen Traums. Dort, wo niemand hinsehen will. Wo Einsamkeit und Materialismus regieren. Dies ist die Geschichte von Arben, dem Albaner, der sich vom ärmsten Land Europas in das reichste aufmacht. Er braucht Geld, um zu heiraten und den Bräuchen seiner Heimat zu entsprechen. Aber das gelobte Land hat seine eigenen Gesetze. Es heißt den Fremden nicht willkommen. Nur wer keine Skrupel kennt, setzt sich durch. Der Albaner ist einer davon, und er wird den Preis bezahlen. Und lernen, dass der Verlust der Unschuld ihn seinen Zielen nicht näher bringt.

Arben lebt in den Bergen und reist mit seinem Vater als Gastarbeiter nach Griechenland, um Geld zu verdienen. Arbens heimliche Liebe Etleva, die auf einem Hof in der Nähe lebt, wird von ihm schwanger. Doch ihr Vater will Zehntausend Euro für die Hochzeit. Arben verspricht ihr, das Geld aufzutreiben. Er geht nach Deutschland. Aber Deutschland wartet nicht auf Menschen wie ihn. Er hat kein Visum, ist „illegal“, spricht die Sprache nicht. Hier ist er nur „Der Albaner“.

Mit Mercedes, Anzug und den Taschen voller Euro kommt er zurück nach Albanien. Aber er kommt zu spät. Etleva wurde von ihrem Vater verstoßen, weil sie ihr vaterloses Kind nicht weggeben wollte. Als Arben sie endlich in Tirana findet, hat sie aufgehört, auf ihn zu warten. Er war nicht da, als sein Kind geboren wurde. All sein Geld hilft ihm nicht – er hat sein Versprechen gebrochen.

Das Spielfilmdebüt Der Albaner des Dokumentarfilmers Johannes Naber, der unter anderem den Max-Ophüls-Preis 2011 gewann, war ursprünglich als Dokumentarfilm gedacht. Entsprechend gründlich hat er die Hintergründe seines ersten langen Spielfilms recherchiert und sich für das Drehbuch sieben Jahre Zeit genommen. Die eigentliche Leistung liegt aber darin, wie konsequent er den Zuschauer in die fiktive Geschichte hineinzieht und die sozialen Hintergründe quasi im Vorbeigehen miterzählt. Mit wenigen Einstellungen führt er eine archaische Welt vor Augen und arbeitet mit ebenso feinen Strichen die feindliche Lebenswelt einer westlichen Großstadt, in diesem Fall Berlin, heraus.

stilistisch geschickt in zwei Welten: hier die weite Natur mit dem Gefühl der Heimat, dort die Enge und Kälte des fremden Landes, eingefangen in ausschnitthaften Bildern, die das Gefühl der Orientierungslosigkeit spiegeln. Spannend ist der über weite Strecken schematisch wirkende Film vor allem zu Beginn, wenn der Zuschauer mit den Lebensumständen und den Wertvorstellungen der Albaner konfrontiert wird. Als sich Arben auf den Weg nach Deutschland macht, geht dieses Überraschungsmoment leider verloren.

Zusammengestellt: Antonia Papagno
Quellen: Zorro Filmverleih, kino-zeit.de, cinema.de