30 Jahre Kommunales Kino guckloch
Wie 1977 alles anfing
Von Klaus Peter Karger
Es waren sieben Leute, die die nichtgewerbliche Filmarbeit in Villingen-Schwenningen auf die Beine gestellt haben: Drei Junglehrer, ein Lehrling, ein Bankkaufmann, ein Maler und der Autor. Die Guckloch-Sitzungen fanden meist in den Räumen der Lehrer-Wohngemeinschaft in der Gerberstraße statt, es gab Wein und Bier und es war sehr, sagen wir: gesellig. Wir alle hatten von Film nicht allzuviel Ahnung, wussten nur, dass es auch noch anderes gab als den 'Schrott', der die Leinwände der damals fünf gewerblichen Lichtspielbetriebe in Villingen-Schwenningen füllte. Damals gab es in Schwenningen nur Capitol, Rex und City und in Villingen das Theater am Ring (immerhin mit gelegentlichem Filmkunst-Tag) und das auf Sexfilm abonnierte Wa-Li-Kino.
Welche Filme wir zeigen wollten, entschieden wir damals von Spieltermin zu Spieltermin. Die Auswahl unterlag in hohem Maße Zufälligkeiten. Es waren in der Anfangsphase Filme, die wir zuvor in Freiburg oder Stuttgart oder mal im Fernsehen gesehen hatten. Bald war dieser Vorrat an persönlichen Lieblings-Wunschfilmen erschöpft, und dann wurde nach Katalogtexten bestellt. Wir (und mit uns die Zuschauer) mussten die Erfahrung machen, daß die Inhaltsangaben der Filmverleiher oft misssverständlich waren. Heute besuchen die Gucklöcher ja regelmäßig die wichtigsten Filmfestspiele und machen sich ihr eigenes Bild, daran war damals nicht zu denken.
Am 5. Oktober 1977 ging es in der notdürftig zum Kino hergerichteten Villinger Jugendhaus-Scheuer los: Mit "Aguirre - der Zorn Gottes" startete eine dreiteilige kleine Werkschau mit Filmen von Werner Herzog. Der 16mm-Projektor stand ratternd mitten im Raum, der Lautsprecher schepperte vor der Leinwand, welche eine umgedrehte Schulkarte von Afrika war. Es kamen viele Zuschauer, das bestärkte uns weiterzumachen. Leider blieb der Besuch nicht dauerhaft so. Aus welchen Gründen auch immer. Einer dürfte vielleicht gewesen sein, dass mancher Film aus den oben genannten Gründen nicht hielt, was die Ankündigung versprochen hatte.
Oft blieben die Zuschauerzahlen unter der Mindestmarke, die notwendig ist, um die Verleihmiete zu bezahlen. Dezember 1978 schien Guckloch finanziell am Ende. Es war klar: Ohne Subventionen der öffentlichen Hand lässt sich ein solches Kino nicht am Leben erhalten, dessen Filme nicht "das Letzte dessen ausbeuten, was in den Köpfen der Menschen noch vorhanden ist" (wie Wim Wenders in seinem Film "Im Lauf der Zeit" die Kinobesitzerin sagen lässt).
Das "Guckloch" wurde subventioniert - und zwar aus der eigenen Tasche. Jeder von uns zahlte drauf, so gut er konnte, um das Projekt weiterführen zu können. Gleichzeitig haben wir damals die Konzeption geändert. Es entstand das erste Halbjahresprogramm. Die Zuschauer konnten es in gedruckter Form mit nach Hause nehmen. Ebenso haben wir vor Beginn zu jedem Film Handzettel ausgelegt, mit Hintergrundinformationen zum Regisseur, den Schauspielern etc. Die Zuschauer haben daraus Papierflieger gefaltet, so haben wir das bald wieder gelassen. Dann haben wir gemerkt, dass man mit einem Halbjahresprogramm doch sehr festgelegt ist. So wurde 1980 als Ergänzung die Reihe "Guckloch-Spezial" geboren. Mit ihr konnten wir seitdem kurzfristig eingeschobene Filme zu aktuellen Themen zeigen. Auch Experimente, Seminare und die Besuche von Filmregisseuren fanden dort ihren Platz.
