Als im Sommer 1960 „À bout de souffle“ (Außer Atem), der Debut-Film von Jean-Luc Godard in die französischen Kinos kam, prägten die dortigen Filmkritiker für diesen Film, der allen bisherigen Konventionen zu widersprechen schien, schon bald den Ausdruck „Nouvelle Vague“ - Neue Welle. Und in der Tat war dieser Film kein solitäres Werk sondern nur die nunmehr unübersehbare Schaumkrone einer Welle, die Ende der 50er Jahre ihren Anfang in Frankreich und Großbritannien genommen hatte und sich von hier aus in weiteren Wellen über die ganze Welt verbreiten sollte.

Was in England bereits ab etwa 1955 als „Free Cinema“ innerhalb eines engen Kreises junger Regisseure begonnen hatte, wurde nun zu einer großen neuen Welle und in vielen Ländern wurden neue cineastische Ausdrucksformen mit diesem Stempel des „Neuen“ versehen – beispielsweise hierzulande der „Neue Deutsche Film“ oder in den USA „New Hollywood“. In Osteuropa, in Lateinamerika, bis nach Japan sollten sich diese Wellen im Laufe der 60er-Jahre fortsetzen.

Aus all diesen „Neuen Wellen“ entstand schließlich auch eine neue Kinobewegung, um diese Filme sichtbar zu machen, eine Bewegung, aus der dann auch 1977 das Kommunale Kino Guckloch in Villingen hervorging. Das 40-jährige Jubiläum unseres Kinos ist daher ein willkommener Anlass, einen Blick zurück auf diese Neue Welle zu werfen. Für die Filmgeschichtsreihe in diesem Herbst habe ich fünf Filme aus fünf Ländern zusammengestellt. Auch wenn sie alle den damaligen Neuen Wellen zugeordnet wurden, sind es sehr unterschiedliche Filme mit denen wir die Fragen nach den Gemeinsamkeiten dieser Neuen Wellen aber auch ihrer Unterschiede stellen wollen.
Richard Hehn