Auch wenn am Ende kein Preis rausgesprungen ist: Christian Petzold's Transit war bei der diesjährigen Berlinale der Favorit von Publikum und Kritikern. Dem Film zugrunde liegt der gleichnamige, teils autobiographische Roman von Anna Seghers über die Flucht aus Nazi-Deutschland. Die deutschen Truppen stehen vor Paris. Georg, deutscher Flüchtling, entkommt im letzten Moment nach Marseilles. Im Gepäck hat er die Hinterlassenschaft des Schriftstellers Weidel, der sich aus Angst vor seinen Verfolgern das Leben genommen hat. Briefe, Manuskripte und ein Visum der mexikanischen Botschaft. In Marseilles darf nur bleiben, wer beweisen kann, dass er gehen wird. Georg erinnert sich an die Papiere Weidels und nimmt dessen Identität an. Er taucht ein in die ungefähre Existenz des Transits. Flüchtlingsgespräche in den Bars und Cafés am Hafen. Wozu weiterreisen? Lässt sich anderswo ein neues Leben beginnen? Alles verändert sich, als Georg die geheimnisvolle Marie trifft und sich in sie verliebt.
Der Roman von Anna Seghers war eines der Lieblingsbücher des 2014 verstorbenen Harun Farocki, der mit Christian Petzold die Drehbücher zu Die innere Sicherheit (2000), geschrieben hat, zu Gespenster (2005) und zu Phönix (2014).
Nach dem Tod des Freundes nahm er sich das Treatment von Transit vor und beschloss in Marseilles zu drehen. In den Hauptrollen spielen Franz Rogowski und Paula Beer (nominiert zum europäischen Filmpreis für ihre Hauptrolle in François Ozons Frantz).
Bettina Böhler hat den großartigen Film geschnitten. Sie ist die Meisterin der Montage. Im Schneideraum kann ein Film leben oder sterben. Im besten Fall beginnt er zu existieren, zu atmen. Bilder werden vom Material zur Erzählung. Wenn Inszenieren ein Blick ist, dann ist Schneiden ein Herzschlag, hat Jean Luc Godard in seinem Text „Schnitt, meine schöne Sorge“ geschrieben. Bei Bettina Böhler muss ein Regisseur diese Sorge nicht haben.
Man darf gespannt sein auf diesen emotionalen, tänzerischen Film.
Helga Eimer-Esslinger
Quellen: Verleihinfo