Filmreihe

Meister der tschechischen Komödie – Der Regisseur Jiri Menzel
Im nächsten Jahr wird Jiri Menzel 80 Jahre alt. Er gehört zu den ganz großen Komödien-Regisseuren des europäischen Films. Wir sind auf ihn aufmerksam geworden durch einen Dokumentarfilm, den der Schweizer Musiker Robert Kolinsky über ihn gemacht hat, unter dem schönen Titel "To Make a Comedy Is No Fun - Jiri Menzel". Der Film lief vergangenes Jahr bei den Filmtagen in Solothurn, und Jiri Menzel war dort auch Ehrengast. Wir zeigen "To Make a Comedy Is No Fun" zum Auftakt unserer kleinen Hommage bei uns im guckloch-Kino, und außerdem zwei Spielfilme aus dem Lebenswerk des tschechischen Regisseurs und Schauspielers: "Scharf beobachtete Züge" von 1966, für den er einen Oscar erhalten hat, und seinen bislang letzten Film "Ich habe den englischen König bedient" von 2006.

Was Menzels Filme einzigartig mache, sei die poetische Zärtlichkeit und der feine und versteckte Humor, hat Robert Kolinsky in einem Interview über seinen Protagonisten gesagt. Jiri Menzel hatte immer ein Herz für die kleinen Figuren, nicht die Berühmten und Schönen, sondern skurrile Charaktere, Menschen am Rande der Gesellschaft, Außenseiter, Querdenker und Gestrauchelte, die sich in seinen Filmen schnell die Sympathie der Zuschauer erobern.

Zum Beispiel der Eisenbahner-Lehrling Miloš aus "Scharf beobachtete Züge", entstanden wie viele seiner Filme nach einer Vorlage des tschechischen Schriftstellers Bohumil Hrabal. Der Film spielt Ende des Zweiten Weltkriegs auf einem abgelegenen Bahnhof in Böhmen. Miloš versucht verzweifelt seine Unschuld zu verlieren und gerät dabei an eine Widerstandskämpferin, die ihn nicht nur zum Mann macht, sondern auch dazu bringt, einen Munitionszug der Nationalsozialisten in die Luft zu sprengen. 1966 gedreht, zwei Jahre vor dem "Prager Frühling", wurde der Film vom dortigen Publikum natürlich nicht als "Historienfilm" aus den letzten Tagen der Besatzung durch die Deutschen verstanden, sondern als Parabel auf das Leben unter den kommunistischen Machthabern. Das Bahnpersonal unterläuft systematisch alle Erwartungen und Vorschriften der Vorgesetzten, und das alles gipfelt in einer subversiven Szene, bei der Fahrdienstleiter Hubicka den nackten Po einer Mitarbeiterin mit Dienststempeln versieht.

Jiri Menzel wurde 1938 in Prag geboren, sein Vater war Kinderbuchautor und Redakteur und arbeite auch als Dramaturg für animierte Trickfilme. "Humor bekam ich von meinem Großvater mütterlicherseits", hat er einmal gesagt, "meinem Vater verdanke ich seine Kultur. Ich wuchs mit seinen Büchern auf. Und frech zu anderen Menschen zu sein, ohne dass sie auf mich böse werden, übte ich an meiner Mutter." 1957 wurde Menzel in die Prager Filmakademie FAMU aufgenommen, er gehörte später zum Kern der tschechoslowakischen "Neuen Welle", die sich im Zuge der Liberalisierung vor der Niederschlagung des 68er Aufstands gebildet hatte.

Als auch sein nächster Film "Lerchen am Faden" (1969) die Freiheit des Individuums über den sozialistisch funktionierenden Menschen stellte, erhielt Ji?? Menzel Arbeitsverbot als Filmregisseur. "Lerchen am Faden" durfte in der Tschechoslowakei nicht mehr aufgeführt werden. Anders als seine Kollegen Miloš Forman oder Vojtech Jasny floh Menzel aber nicht in den Westen. Er blieb im Land und arbeitete als Schauspieler am Theater, was nicht von seinem Arbeitsverbot erfasst war. 1972 spielte er die Hauptrolle in dem DDR-Märchenfilm "Sechse kommen durch die Welt", zwei Jahre holte ihn Claus Peymann ans Theater Bochum. Ab 1975 durfte er auch in der Heimat wieder als Filmregisseur arbeiten und fand nach einigen harmlosen Komödien allmählich auch wieder zu seinem böhmisch-subversiven Humor zurück.

"Menzel ist nichts heilig, auch nicht er selbst; und so unterhaltsam und pointiert erzählt er auch von sich und seinen Filmen", urteilte die Schweizerische "ProgrammZeitung" nach der Premiere von "Making a Comedy Is No Fun." Und Menzel selbst sagte mit tschechischem Akzent beim Publikumsgespräch in Solothurn: "Ich schäme ich. Ich verdiente nicht so schene Film."
Klaus Peter Karger