Frankreich 2019

Regie: Filippo Meneghetti

Buch: Malysone Bovorasmy, Filippo Meneghetti

Bildgestaltung: Aurélien Marra

Schnitt: Ronan Tronchot

Musik: Michele Menini

DarstellerInnen: Barbara Sukowa, Martine Chevallier, Léa Drucker, Jérôme Varanfrain

 

95 Minuten

FSK: ab 6

Original (französisch)
mit deutschen Untertiteln



Deux
Wir beide

Filippo Meneghetti hat mit Wir beide einen Film gedreht, wie es noch keinen gab. Trotzdem ist alles unheimlich vertraut. Und Barbara Sukowa spielt die Rolle ihres Lebens.

Nach außen hin ist Nina nur die nette Nachbarin von gegenüber, aber für Madeleine ist sie die Liebe ihres Lebens. Schon seit Jahren führen die beiden eine geheime Beziehung und träumen davon, gemeinsam ein neues Leben in Rom zu beginnen. Doch Madeleine kann sich nicht überwinden, ihrer Familie die Wahrheit zu sagen. Für ihre erwachsenen Kinder ist sie die aufopferungsvolle Witwe, die ihrem Ehemann nachtrauert. So bleibt die Liebe der beiden Frauen für die Außenwelt unsichtbar und das heimliche Schleichen über den Flur zwischen den Apartments ihr Alltag. Doch dann führt ein unerwartetes Ereignis dazu, dass die Türen geschlossen bleiben. Nina muss alles riskieren, um zu Madeleine durchzudringen.

Diese Geschichte könnte eine gute Grundlage für eine Komödie geben – oder eine Tragödie. Aber der junge Italiener Filippo Meneghetti macht in seinem Debut als Regisseur etwas ganz anderes daraus, nämlich einen Psychothriller fürs Herz. Er spielt mit den Konventionen des Genres in einer Weise, die einen Altmeister des Kinos vermuten lassen. In jedem Augenblick fürchtet man mit Nina und um sie. Meneghetti verzögert die Handlung meisterhaft, und das angesichts einer Inszenierung des Films, der immer das Schlimmste vermuten lässt, etwa durch die zwanghafte Fokussierung der Einstellungen auf die Türspione der Wohnungen.

Fantastisch inszeniert und gespielt, großes Kino für die große Leinwand. Übrigens, im Original heißt der Film „Deux“, also „zwei“– was eigentlich passender wäre…

Kilian Schmidt
Villingen
Mittwoch, 11. August 2021
20:15 Uhr
keine Vorstellung