Frankreich 2019

 

Regie: Pierre François Martin-Laval

Drehbuch: Pierre François Martin-Laval, Philippe Elno

Bildgestaltung: Régis Blondeau

Musik: Pascal Lengane

Montage: Renald Bertrand
Darsteller: Assad Ahmed, Gérard Depardieu, Isabelle Nanty

 

107 Minuten

FSK ab 12

Original (Französisch)
mit deutschen Untertiteln



Villingen
Mittwoch, 05. August 2020
20:15 Uhr
Donaueschingen
keine Vorstellung
Fahim
Das Wunder von Marseille

Hals über Kopf muss der achtjährige Fahim (Assad Ahmed) aus seiner Heimat Bangladesch fliehen, weil sein Vater politisch verfolgt wurde und der herrschenden Kaste ein Dorn im Auge war. Während seine Mutter und die Geschwister in dem von politischen Unruhen erschütterten Land zurückbleiben, machen sich Fahim und sein Vater Nura (Mizanur Rahaman) auf den beschwerlichen Weg nach Frankreich, um dort Asyl zu beantragen und ein neues Leben zu beginnen. Doch kaum in Paris angekommen, beginnt ein zermürbender Spießrutenlauf. Wo sollen sie eine Unterkunft und der Vater einen Job finden? Und so rückt die ersehnte Aufenthaltsgenehmigung schnell in weite Ferne. Doch der mit einer unglaublichen Gabe für Schach gesegnete Junge findet in einen Schachkurs, der von Sylvain (Gérard Depardieu), einem der besten Schachtrainer Frankreichs, geleitet wird. Sylvain erkennt das Talent des Jungen und fördert ihn, damit er an einer französischen Meisterschaft teilnehmen kann. Der Vater dagegen rutscht unaufhaltsam in die Illegalität und muss untertauchen. Als ihm kurz vor der französischen Schachmeisterschaft die Ausweisung droht, hat Fahim deshalb nur noch ein Ziel: Er muss die Meisterschaft in Marseille gewinnen und französischer Champion werden, damit ihre Flucht nicht umsonst gewesen ist. 

Regisseur Pierre François Martin-Laval (GASTON, ESSAYE-MOI) erzählt in DAS WUNDER VON MARSEILLE mit viel Gefühl, aber auch Humor die unglaubliche wahre Geschichte eines Jungen, der für seinen Traum alles aufs Spiel setzt. Allein mit seinem Vater in einem fremden Land, ohne dessen Kultur und Sprache zu kennen, ist der kleine Flüchtling Fahim als illegaler Einwanderer in Frankreich gestrandet. Dass es diesem Jungen trotz allem gelingt, französischer Schachmeister zu werden, grenzt tatsächlich an ein Wunder. Der Weg zum großen Sieg steht im Zentrum des Films. Doch er erzählt ganz nebenbei einiges mehr: Neben den zahlreichen Schachbeobachtungen geht es um die Vater-Sohn-Beziehung, die durch die Unsicherheiten des Flüchtlingsdaseins stark belastet wird.

Beeindruckend ist der junge Laiendarsteller Assad Ahmed, der wie der echte Fahim Mohammad aus Bangladesch stammt und erst während der Dreharbeiten die französische Sprache erlernte. Neben den Vollblutschauspielern Gérard Depardieu (CYRANO VON BERGERAC) und Isabelle Nanty (DIE FABELHAFTE WELT DER AMÉLIE) agiert er überzeugend und absolut herzergreifend in der Hauptrolle


 

Peter Osteried merkt in programmkino.de an: »Martin-Laval erzählt mit leichter Hand. Er schreckt vor dem Drama der Geschichte nicht zurück, lädt es aber auch mit viel Humor auf – und er kann sich auf sein grandioses Ensemble verlassen. Gérard Depardieu überzeugt in einer griesgrämigen Rolle, wie sie ihm auf den stattlichen Leib geschrieben ist. Das Zusammenspiel mit Assad Ahmed ist herzerwärmend, der Film selbst lebt zudem aber auch von einer Authentizität, die sich durch die Besetzung ergeben hat. 
DAS WUNDER VON MARSEILLE ist ein sympathischer Film mit Wohlfühl-Ende, auch wenn die politische Dimension dahinter etwas fragwürdig ist, bedeutet sie doch, dass manche Flüchtlinge lieber aufgenommen werden – nämlich solche, die Fähigkeiten mit sich bringen, die dem Prestige-Gewinn des Landes zuträglich sind. Das ist ein Aspekt, den der Film eher en passant abhandelt, dem man aber etwas mehr Fokus gewünscht hätte, zumal das Ende zwar happy ist, aber auch nicht frei von Zweifeln. Denn Fahim und sein Vater konnten ihre Familie nachholen und haben eine Aufenthaltsgenehmigung in Frankreich, auf die Einbürgerung wartet die Familie aber schon viele Jahre«

Klaus Pfaehler