Frankreich 2016

Regie:  Nicolas Autheman
Erzählerin:  Elsa Lepoivre Fernande Olivier
Produktion:  arte France Les films du Tambour de Soie Musée d'Orsay

52 Minuten

FSK: keine Bewertung

Original (Französisch)
mit deutschen Untertiteln



Villingen
keine Vorstellung
Donaueschingen
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Montag, 20. Mai 2019
20:00 Uhr
Le douanier Rousseau ou l'éclosion moderne
Der Maler Henri Rousseau oder die Geburt der Moderne

Henri Rousseau (1844-1910), „le douanier Rousseau“, der Zöllner Rousseau wie er immer noch häufig genannt wird, um seinen Beruf in den Vordergrund zu stellen, um vielleicht hinzuweisen, dass seine Malerei zweitrangig ist. Er blieb auch sein Leben lang der bescheidene Zöllner in Paris, der erst mit 40 Jahren sich der Malerei widmete und ohne jemals Paris zu verlassen eine Traumwelt mit üppiger Vegetation und gefährlichen Wildtieren schuf, deren Inspiration er in dem „Jardin des Plantes“, dem botanischen Garten von Paris, oder in Büchern fand.

Seine Bilder wurden zum Inbegriff der Naiven Malerei, zwar schön und farbenfroh bewundert, aber in die Kategorie „Sonntagsmaler“ gesteckt und herablassend betrachtet.

Als Autodidakt bekam er einen Ausweis als Kopist im Louvre und suchte bei den großen Malern seine Vorbilder. Als Spiritist fühlte er seinen Pinsel von den Geistern geführt.

Seine steifen Figuren, das Fehlen der Perspektive, und seine Ungeschicklichkeit wurden ihm vorgeworfen.

»Wenige Maler sind zu ihren Lebzeiten so verhöhnt worden wie der Zöllner und wenige Menschen traten den Spöttereien, den Grobheiten, mit denen man ihn überschüttete, mit ruhiger Stirn entgegen«. Es war der berühmte Dichter Guillaume Apollinaire, der ihn so charakterisierte. Einerseits zeigt dieser Satz einige der Charakterzüge des Zöllners, der trotz seiner Zurückhaltung und Bescheidenheit Selbstvertrauen in seiner Kunst hatte. Andererseits seine Freunde, Apollinaire, Delaunay und Picasso, waren Bewunderer seiner Kunst.

Er schuf eine Welt der Träume mit einer erfundenen und stilisierten Exotik.

Er war ein Maler, der Vernunft und Fantasie, Zivilisation und Wildheit in seinen Bildern bannte.

Die Brillanz der Farben, die vom Vordergrund bis zum Hintergrund ohne Abschwächung leuchten, wurde zwar von den Kritikern verworfen, entzückte aber die Künstler der Avantgarde durch ihre bis zu fünfzig verschiedenen Nuancen des Grüns.

In seinen Porträts und Landschaften erinnern die Perspektive und die frontale Ansicht der Figuren an Werke des Mittelalters. Die Klarheit der Konturen und das Leuchten der Farben veranlasste Apollinaire, Rousseau als den Ucello unseres Jahrhunderts zu bezeichnen.

 

Seine Dschungel mit der üppigen fantasievollen Vegetation, in denen exotische und einheimische Pflanzen sich mischen und die von Tigern, Büffeln oder Löwen bevölkert sind (sie wurden im Zoo beobachtet), ließen am Ende seine Widersacher schweigen. Über sein Bild „ le rêve“ (der Traum) am Ende seines Leben ausgestellt, schrieb Guillaume Apollinaire : »in diesem Jahr lacht niemand mehr, alle sind sich einig: sie bewundern ihn«.

Er inspirierte außer den Surrealisten auch Kandinski.

Breton sprach von seinem magischen Realismus und der Dichter Paul Eluard behauptete :»er wird uns auf immer Wunder in die Augen streuen«.

Der Dokumentarfilmer Nicolas Autheman stellt uns das Leben dieses Malers aus armen Verhältnissen vor, der beharrlich seine Träume von Kunst verfolgte und zudem ganz sicher sagte, er sei der stärkste Maler seiner Zeit, obwohl er erst nur Spott erntete. Zwischen grauer Provinz und Paris am Umbruch zu neuer Zeit öffnete der naive Maler neue Wege, neue Blicke mit Bildern voller Farben, Lichter, klaren Konturen und Träumen.

Hélène Namboutin-Uphaus