Südkorea 2000

Regie: Park Chan-Wok
Drehbuch: Jeong Seong-San, Kim Hyeon-Seok, Lee Mu-Yeong, Park Chan-Wook
Bildgestaltung: Sung-Bok Musik Bang Jun-Seok, Jo Yeong-Wook Montage Kim Song-Beon
Produktion: Lee Eun-Soo Darsteller Lee Yeong-Ae, Lee Byung-Hun, Song Kang-Ho, Kim Tae-Woo, Shin Ha-Kyun, Christoph Hofrichter

110 Minuten

FSK ab 16

Preise
Blue Dragon Award 2001: Bester Film, Bester Regisseur
Pusan Film Critic Award 2001: Bester Hauptdarsteller
Seattle 2001: Grand Belle Award (Bester Film)
Deauville 2001: Preis der Jury und Publikumspreis

Original (Koreanisch)
mit deutschen Untertiteln



Villingen
Mittwoch, 22. Mai 2019
20:15 Uhr
Donaueschingen
keine Vorstellung
공동경비구역 JSA
Joint Security Area

Der Konflikt zwischen Nord- und Südkorea ist seit vergangenem Jahr wieder ins Rampenlicht der internationalen Politik gerückt. Der südkoreanische Spielfilm Joint Security Area hat diesen Konflikt zum zentralen Thema. Das Meisterwerk des bekannten Regisseurs Park Chan-Wook gilt bis heute als einer der besten und wichtigsten Filme, die sich mit dem Koreakonflikt auseinandersetzen.

Joint Security Area ist ein gesonderter Bereich innerhalb der Demarkationslinie (DMZ) zwischen Nord- und Südkorea entlang des 38. Breitengrades. Dieser Bereich steht unter ständiger Aufsicht der Neutralen Überwachungskommission in Korea (NNSC). Eines Nachts kommt es dort zu einem schweren Zwischenfall: Zwei nordkoreanische Soldaten werden erschossen. Um einen größeren Konflikt zu verhindern, soll das NNSC den Fall untersuchen. Sophie Jean, die sowohl die schweizerische als auch die koreanische Staatsbürgerschaft besitzt, leitet die Untersuchung. Eine äußerst heikle Aufgabe …

Regisseur Park Chan-Wook erregte 2016 erneut internationales Aufsehen durch sein Historiendrama Die Taschendiebin. Auf sein Konto gehen ebenfalls die überaus originelle Emile Zola-Adaption Durst (2009) sowie der Welterfolg Oldboy (2003). JSA gilt inzwischen als Klassiker des modernen koreanischen Kinos sowie als Auslöser der Korean Hallyu, der koreanischen Welle in Kino und Popmusik.

Der mehrfach ausgezeichnete Film sorgte 2001 bei der Berlinale für großes Aufsehen, da sowohl westliche Zuschauer als auch Filmkritiker die Veränderungen im koreanischen Kino bis dahin nicht mitbekommen hatten. Joint Security Area erweist sich als eine aufwendige Produktion, in der einfach alles stimmt: Angefangen von der Beleuchtung und Farbgebung bis hin zur erstklassigen Optik zeigt Park Chan-Wook, dass er es mit den renommiertesten westlichen Regisseuren aufnehmen kann. Ihm zur Seite stand zudem ein Ensemble, das sich aus den besten koreanischen Schauspielern zusammensetzte. Hauptdarsteller Lee Byung-Hun wurde inzwischen auch durch mehrere Hollywoodproduktionen dem westlichen Publikum bekannt, genauso wie Song Kang-Ho, der zu Parks Stammschauspielern zählt und durch den koreanischen SF-Film Snowpiercer (2013)internationale Bekanntheit erlangte.

Auch wenn der Trailer des Films etwas anderes suggeriert, so ist JSA keineswegs ein Actionfilm. Park Chan-Wook schuf ein eindringliches, humanistisches Drama um Freundschaft und den Schaden, den Politik und die damit verbundenen Ideologien anrichten. Die Spannung, die im gesamtem Film aufrechterhalten wird, ergibt sich aus zwei Handlungssträngen: Zum einen durch die Untersuchung des Kriminalfalls, zum anderen, anhand von Rückblenden auf die Geschehnisse, die sich auf einem kleinen Wachtposten auf der Joint Security Area zugetragen haben. Die einzelnen Figuren werden dabei äußerst fein charakterisiert, was das Drama noch intensiver werden lässt.

Für den Film wurden die Handlungsorte detailliert nachgebaut, was JSA damals zu einem der teuersten Produktionen des koreanischen Kinos machte. Trotz des enormen Aufwands, war es während der Dreharbeiten nicht sicher, ob der Film von den Zensurbehörden überhaupt freigegeben werden würde. Doch nicht nur die Veränderungen in der Politik zwischen Nord- und Südkorea ebneten dem Film letztendlich den Weg in die Kinos, sondern auch der Wandel in der koreanischen Filmindustrie, weg vom staatlichen Filmschaffen hin zur Privatisierung der einzelnen Studios.

Die koreanische Welle, die JSA vor fast 20 Jahren ausgelöst hat, ist bis heute in vollem Gange. Zwischen Autorenkino und Big Budget-Produktionen angesiedelt, gilt Südkoreas Filmindustrie als größte Konkurrenz Hollywoods. Stets verbunden mit Anspruch, faszinierender Ästhetik und inhaltlicher Tiefe, sorgen südkoreanische Filme immer wieder für internationales Aufsehen.

Mit Joint Security Area feiern wir daher nicht nur das 20-jährige Jubiläum des modernen koreanischen Kinos, sondern zeigen zugleich einen cineastischen Leckerbissen, den man nicht mehr so leicht vergisst.

 

Max Pechmann