Deutschland, Aserbaidschan 2018

Regie & Buch: Veit Helmer
Kamera: Felix Leiberg
Musik: Cyril Morin
Ton: Julian Gropp, Robert Jäger
Schnitt: Vincent Assmann
Produktion: Veit Helmer
Darsteller: Miki Manojlovic, Denis Lavant, Chulpan Khamatova, Ismail Quluzade

95 Minuten

FSK: ab 6

ohne Dialog



Villingen
Mittwoch, 17. Juli 2019
20:15 Uhr
Donaueschingen
Montag, 15. Juli 2019
20:00 Uhr
Vom Lokführer, der die Liebe suchte

Ein Güterzug rollt durch eine weite Graslandschaft, die sich vor den kaukasischen Bergen entlang-zieht. Am Steuer: Nurlan, der Lokführer. Tagaus, tagein lenkt er seinen Zug durch einen dicht be-siedelten Vorort Bakus, der Hauptstadt Aserbeidschans, in dem die Schienen so dicht an die Häuser grenzen, dass Nurlan quasi durch die Vorzimmer und Gärten der Bewohner fährt. Auf seinem täglichen Weg passiert er teetrinkende Männer ebenso wie Frauen, die ihre Wäsche in den sanften Wind hängen. Sobald sich der Zug nähert, bläst der kleine Waisenjunge Aziz in eine Pfeife und die Bewohner des Vorortes bringen sich und ihre Habseligkeiten schnell in Sicherheit. Doch das gelingt nicht immer. Nurlan hat schon so einiges von seiner Lokomotive gepflückt: Hühnerfedern, Spielzeug-bälle oder auch Bettbezüge. Am letzten Arbeitstag vor seiner Pensionierung verheddert sich ein be-sonderes Abschiedsgeschenk an seiner Lok: ein traumhaft schöner, blauer Spitzen-BH. Nurlan nimmt ihn nach seiner Schicht kurzerhand mit in sein Heimatdorf in den Bergen. Seine Neugier ist geweckt: Wem nur mag das kleine Stück Stoff wohl gehören? Angetrieben von seiner Einsamkeit beschließt Nurlan, die Suche nach der Besitzerin des Büstenhalters aufzunehmen.

Der Film ist eine sanfte Komödie voller Poesie und Anmut, der völlig ohne Dialoge auskommt und dennoch kein Stummfilm im klassischen Sinne ist. Die Alltagsgeräusche, insbesondere die des Güterzugs und die Bilder der Stadt und ihrer Bewohner sprechen ihre eigene Sprache. Dem Regisseur Veit Helmer ist es gelungen, diese besondere Atmosphäre im Film einzufangen.

Ich habe den Film in dessen Anwesenheit gesehen und war beeindruckt von seiner Fähigkeit, als moderner Märchenerzähler Bilder sprechen zu lassen. Auch wenn im Film ein Büstenhalter (nicht um-sonst heißt er in der englischen Version 'The Bra') eine zentrale Rolle spielt, werden Freunde des erotischen Films vermutlich enttäuscht sein. Die Trägerinnen sieht man, wenn überhaupt, bei der An-probe allenfalls von hinten.

Walter Rau