Spanien, UK, Deutschland 2018

Regie: Icíar Bollain
Drehbuch: Paul Laverty
Bildgestaltung: Alex Catalán
Musik: Alberto Iglesias
Montage: Nacho Ruiz Capillas
Darsteller: Carlos Acosta, Santioago Alfonso, Edilson Manuel Olbera Nunez, Keyvin Martínez, Laura de la Zu, Tanzensemble des Acosta Danza Havanna.

104 Minuten

FSK: ab 6

Original (Spanisch)
mit deutschen Untertiteln



Villingen
Mittwoch, 09. Oktober 2019
17:00 Uhr (deutsch)
20:15 Uhr (OmU)
Donaueschingen
Montag, 07. Oktober 2019
20:00 Uhr
Yuli

Kuba, Anfang der 80er Jahre.

Carlos ist ein ungestümes, rebellisches Kind. Das meiste, was er vom Leben weiß, hat er auf den Straßen Havannas gelernt, wo er zum ungekrönten König der spontanen Breakdance-Wettbewerbe geworden ist.

Sein Vater Pedro, LKW-Fahrer und Enkel einer Sklavin, erkennt das außergewöhnliche

Talent seines Sohnes, das ihn herausreißen könnte aus dem Kreislauf von Unterdrückung und Anpassung.

„Yuli“ nennt er seinen Sohn, nach einem afrikanischen Kriegsgott. Doch Yuli will nicht tanzen, er will keine Strumpfhosen und Ballettschläppchen tragen, er will Fußballer werden, wie Pelé.

Pedro zwingt seinen Sohn auf die staatliche Ballettschule und sorgt mit harter Hand dafür, dass er seine Ausbildung beendet, zuletzt in einem Ballett-Internat in der Provinz, fernab der Familie.

Yuli lernt, mit der Einsamkeit zu leben. Der Tanz wird vom Zwang zur Zuflucht. Carlos entwickelt sich zum herausragenden Tänzer seiner Generation. Nach dem Gewinn der Goldmedaille beim renommierten Prix de Lausanne verpflichtet das English National

Ballet den 18jährigen als Principal Dancer: Der Beginn einer einzigartigen Karriere.

Im fernen London zehrt das Heimweh an Yuli, die Sehnsucht nach seiner Familie und den Freunden, nach Kuba. Als er nach einer schweren Verletzung mit dem Tanzen pausieren muss, geht er zurück nach Havanna. Nach Jahren der Entbehrung und Einsamkeit lebt er nun seinen schier unstillbaren Hunger nach Leben aus – und setzt damit seine Karriere aufs Spiel. Er muss sich entscheiden, ob er den Weg weitergehen will, den sein Vater ihm aufgezwungen hat – oder ob seine Liebe zum Tanz stark genug ist, seinen eigenen Weg zu finden.

Regisseurin Icíar Bollaín und Autor Paul Laverty erzählen vor dem bewegten Hintergrund der Historie Kubas in den letzten 40 Jahren die reale Geschichte einer unglaublichen Karriere, die aus einem Vorort Havannas bis ins Royal Ballett in London führt, wo Carlos Acosta zum ersten schwarzen Romeo im scheinbar ewig weißen Universum des klassischen Balletts wird.

Zugleich ist Yuli eine bewegende Familiengeschichte, die von der Liebe zueinander geprägt ist, aber auch von der widersprüchlichen Beziehung zum Vater.

Ein überraschendes Biopic – und mehr als das: Yuli ist eine atemberaubende Performance aus Erzählung, Tanz, Musik, Licht und Bewegung, mitreißend, berührend und humorvoll, eine Hommage an die Grenzen sprengende Kraft der Kunst, spektakulär gefilmt vom vielfach ausgezeichneten Kameramann Álex Catalán, mit den Choreografien von María Roviras, den fantastischen Tänzerinnen und Tänzern von Acosta Danza und der wunderbaren Musik des mehrfach Oscar-nominierten Komponisten Alberto Iglesias.

Die Regisseurin Icìar Bollaìn hat sich zunächst einen Namen gemacht als Schauspielerin.

1995 begann ihre Arbeit als Regisseurin, einige ihrer Filme haben wir auch im guckloch-Kino schon zeigen können, z. B.TAMBIÉN LA LLUVIA – UND DANN DER REGEN (2010) war Icíar

Bollaíns erste Zusammenarbeit mit ihrem Lebensgefährten, dem Drehbuchautor Paul Laverty. Der Film wurde u.a. mit dem Panorama-Publikumspreis der Berlinale, dem Spanischen Kritikerpreis und dem Premio ACE in den Kategorien Bester Film und Beste Regie ausgezeichnet und war die spanische Oscar-Nominierung als bester fremdsprachiger Film.

Für ElOlivo – Der Olivenbaum (vor zwei Jahren ebenfalls im guckloch zu sehen ) gab es u.a. den spanischen Filmpreis Goya für Anna Castillo als beste Nachwuchsschauspielerin und drei weitere Goya-Nominierungen und die spanische Oscar-Nominierung als bester fremdsprachiger Film.

Auch viele Filme, zu denen Paul Laverty das Drehbuch geschrieben hat, liefen im guckloch: Eine ganze Reihe Ken Loach-Filme, z. B. I, Daniel Blake, Jimmy's Hall, Looking for Eric, The Wind that shakes the Barley, My Name ist Jo.

Für das Buch von YULI wurde Paul Laverty auf dem Festival Internacional de Cine in San Sebastián mit dem Preis für das beste Drehbuch ausgezeichnet.

Wir dürfen uns also auf einen Kinoabend mit großartiger Musik, wunderbaren Bildern, Momenten großer Schönheit und herausragenden SchauspielerInnen und spektakulären Tanzchoreografien freuen.

Gertrud Cammerer-Karger