Schweden, Dänemark, Deutschland 2018

Regie: Pernille Fischer Christensen
Drehbuch: Kim Fupz Aakeson, Pernille Fischer Christensen
Bildgestaltung: Erik Molberg Hansen
Montage: Asa Mossberg, Kasper Leick
Produktion: Maria Dahlin, Anna Anthony, Lars G. Lindström
DastellerInnen: Alba August, Trine Dyrholm, Magnus Krepper, Maria Bonnevie, Hendrik Rafaelsen

123 Minuten

FSK: ab 6

Original (Schwedisch)
mit deutschen Untertiteln



Villingen
Mittwoch, 04. Dezember 2019
20:15 Uhr
Donaueschingen
Montag, 02. Dezember 2019
20:00 Uhr
Unga Astrid
Astrid

Von Pippi Langstrumpf über Ronja Räubertochter bis zum Michel aus Lönneberga: Kein anderer Name ist bis heute so untrennbar mit so vielen faszinierenden Kinderbüchern verbunden wie der von Astrid Lindgren. Ihre Geschichten haben bis heute die Kindheit von Millionen Menschen weltweit geprägt. Zudem setzte die „Schwedin des Jahrhunderts“ und Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels sich unermüdlich für die Rechte von Kindern ein.

Doch woher nahm sie den Stoff für ihre Geschichten, die nicht nur lustige, Streiche spielende und Faxen machende Kinder beschreiben, sondern auch mal traurige und besinnliche Ereignisse widerspiegeln? Es war ihr Leben, es böte Stoff für die unterschiedlichsten Filme: Da ist zunächst ihre Kindheit in der schwedischen Provinz, da sind ihre Kriegstagebücher mit dem Titel „Die Menschheit hat den Verstand verloren“, die sie von 1939 bis 1945 geschrieben hat, ihre Arbeit beim schwedischen Geheimdienst in den Vierzigerjahren oder auch ihre Ehe mit einem Alkoholiker.

 

Das Biopic von Pernille Fischer Christensen greift die weniger bekannten und schweren Zeiten der ganz jungen Astrid Ericsson, wie sie vor ihrer Ehe hieß, heraus.

Die 18-jährige arbeitet in der Redaktion einer Lokalzeitung, als sie von dem 30 Jahre älteren und verheirateten Kollegen schwanger wird. Ein Skandal in der dörflichen Umgebung in dem erzkonservativen Schweden 1926! Sie bringt ihren Sohn Lasse in einer Klinik in Kopenhagen zur Welt, die einzige Klinik in Skandinavien, in der Frauen anonym entbinden können, ohne den Namen des Vaters angeben zu müssen. Und sie verzichtet auch darauf, mit dem Kindsvater zusammenzuleben. Über die Tatsache, dass sie für ihren Lebensunterhalt arbeiten musste und deshalb ihren Sohn drei Jahre lang in Pflege gegeben und ihn in dieser Zeit wenig gesehen hat, kann Astrid Lindgren erst im Alter von 70 Jahren öffentlich sprechen, es ist die schwerste Zeit ihres Lebens. Und auch die Beziehung zu dem Zeitungsredakteur wurde nie thematisiert.

Wir sehen Astrid Lindgren im Film als Ehebrecherin, das mag nicht jedem gefallen, es verändert den Blick auf die hochgelobte und mit Preisen ausgezeichnete Schriftstellerin, aber wir verstehen auch die rebellischen Charaktere und manchmal traurigen Inhalte ihrer Kinderbücher dadurch besser. Ihr eigener starker Wille, mit dem sie sich als junge Frau über Konventionen hinwegsetzte, findet sich in ihren Titelfiguren wieder.

Und auch heute, fast 100 Jahre später, hat ihr Kampf um ein selbstbestimmtes Leben nichts an Aktualität verloren.

Gertrud Cammerer-Karger