Deutschland 2021

 

Regie & Buch: Volker Schlöndorff

Bildgestaltung: Paapa Kwaku Duro, Jean Diuoff, Axel Schneppat

Musik: Bruno Coulais, Ablaye Cissoko

Montage: Anette Fleming

Produktion: Zero One Film, Volksfilm

Mitwirkende: Tony Rinaudo, Tesfamaryam Antoniyo, Cecilia Topok Saparoug u.a.


87 Minuten

FSK 0

Original (Hausa, Englisch, Deutsch)
mit deutschen Untertiteln



Der Waldmacher

In seinem Dokumentarfilm begleitet Volker Schlöndorff den australischen Agrarwissenschaftler Tony Rinaudo auf einer Reise in verschiedene Länder Afrikas. 1981 kam Rinaudo erstmals als Wissenschaftler und Missionar mit seiner Familie in die Republik Niger, um dort gegen die wachsende Ausbreitung der Wüsten und das Elend der Bevölkerung anzukämpfen. Denn seit der Kolonialzeit ist das Land radikal für Ackerflächen gerodet worden. Die einst fruchtbaren Böden sind durch langjährige Intensiv-Landwirtschaft ausgelaugt und an manchen Stellen hart wie Beton.

Rinaudo hatte zunächst den Weg mit Neupflanzungen beschritten, aber fast alle Setzlinge gingen ein – ein teurer Fehlschlag. Dann entdeckte er durch Zufall, dass unter dem vermeintlich toten Boden ein Wurzelwerk schlummert, aus dem wieder Bäume und Sträucher sprießen können, wenn man sie nur lässt und das Wachstum durch die richtige Pflege fördert. Auf diese Weise sind allein in der Republik Niger rund 6 Millionen Hektar Fläche mit neuem Bewuchs entstanden. Die Bäume spenden Schatten, schützen vor Sandstürmen, verbessern die Bodenqualität und somit den Ernteertrag.

Rinaudo ist seit 1999 Mitarbeiter der Hilfsorganisation World Vision, die seine Aufforstungsmethode aktuell in 25 Ländern fördert. Für sein Engagement wurde er 2018 mit dem alternativen Nobelpreis „Right Livelihood Award“ ausgezeichnet. Schlöndorff identifiziert sich mit Rinaudos Konzept der „Farmer Managed Natural Regeneration“, findet es mit seinem dezentralen, an den Bauern orientierten Ansatz besser als Mammutvorhaben wie die staatenübergreifende „große grüne Mauer“. Er verschweigt aber auch nicht, dass das Konzept an einigen Stellen mit den Lebensgewohnheiten und wirtschaftlichen Abhängigkeiten der Bevölkerung kollidiert. Die Menschen benötigen jedes Stück Holz als Brennholz, teilweise wird aus der Armut heraus auch illegale Köhlerei für den Export betrieben. Es braucht also viel Überzeugungsarbeit und gegenseitiges Vertrauen, um ein Aufforstungs-Konzept wie dieses umzusetzen.

Volker Schlöndorff hat sich bisher vor allem als Spielfilmregisseur und hier insbesondere mit seinen Literaturverfilmungen (Die Blechtrommel, Homo Faber, Die verlorene Ehre der Katharina Blum) einen Namen gemacht. Weniger bekannt ist, dass er immer wieder auch Dokumentarfilme gedreht hat, zuletzt etwa 2021 Zeitzeugengespräch über den damals 100-jährigen Holocaust-Überlebenden Leon Henry Schwarzbaum. Jetzt hat er im hohen Alter von 82 Jahren mit Der Waldmacher einen weiteren Dokumentarfilm realisiert, den er selbst als Film-Essay bezeichnet. Er verwendet in dem Film nicht nur eigenes Material, sondern auch Animationen sowie Sequenzen, die ihm von anderen afrikanischen Filmemachern zur Verfügung gestellt wurden (etwa Porträts von Frauen, die aus Gründen der Arbeitsmigration von ihren Männern und Söhnen verlassen wurden). Und Schlöndorff tritt auch selbst im Bild in Erscheinung, als Gesprächspartner von Tony Rinaudo und mit eigener Kamera in der Hand.

Klaus Peter Karger
Villingen
Mittwoch, 06. Juli 2022
20:15 Uhr
keine Vorstellung