Frankreich, Deutschland, Tschechien 2021

 

Regie: Florence Miailhe

Buch: Florence Miailhe, Marie Desplechin

Bildgestaltung: Guillaume Hoenig

Montage: Julie Dupré, Nassim Gordji Tehrani

Musik: Philipp E. Kümpel

Sprecherin deutsche Fassung: Hanna Schygulla


84 Minuten

FSK: ab 12

Festivals und Preise:

Annecy International Animation Film Festival 2021 – Internationaler Wettbewerb: lobende Erwähnung der Jury

DOK Leipzig 2021 – Sonderpreis Gedanken-Aufschluss

Deutscher Hörfilmpreis 2021

Deutsche Synchronfassung



Die Odyssee
La Traversée

Ein sehr ungewöhnlicher Animationsfilm erwartet uns:

120 000 mit Ölfarbe auf Glasplatten gemalte Bilder, zusammengefügt und animiert, erzählen uns die Geschichte einer Flucht, die irgendwo in der Welt beginnt und irgendwohin führt, so wie es Millionen MigrantInnen in der heutigen Zeit erleben.

Die Geschwister Kyona und Adriel leben in einem kleinen Dorf, umgeben von friedlichen Wäldern. Doch die Idylle trügt: Eines Nachts wird der Ort überfallen und die Familie ist gezwungen, vor der eskalierenden Gewalt zu fliehen. Als Kyona und Adriel bei einer Zugkontrolle von ihren Eltern getrennt werden, müssen sie ihren weiteren Weg alleine gehen. So beginnt die heldenhafte Reise, die Kyona und Adriel über einen Kontinent voller Gefahren führt. Die beiden schließen neue Freundschaften, aber immer wieder holen sie der Krieg und ihre eigene Geschichte ein. Auf ihrer Suche nach etwas Sicherheit, lassen sie ihre Kindheit hinter sich – und werden allmählich erwachsen. Werden sie
ihre Familie wiedersehen und in der Fremde Zuflucht finden
können?

Der Film nimmt einen gefangen, man wird hineingezogen wie in ein Märchen, lässt einen staunen über die bunten und auch manchmal schwarz-weißen bewegten Bilder. Und so, wie wir früher unseren VorleserInnen lauschten, hören wir gespannt der weichen Stimme Hanna Schygullas zu.

Trotz allem ist es eine Fluchtgeschichte und handelt wie im Märchen von guten und von bösen Menschen und Situationen, aber vielleicht erlauben es Märchen und Mythen, uns ein wenig von unserer unmittelbaren Umwelt zu entfernen; tatsächliche Ereignisse nicht aus nächster Nähe, sondern aus einer gewissen Distanz zu betrachten und dann vielleicht sogar etwas Poetisches in ihnen zu entdecken.

Die Animationskünstlerin Florence Miailhe arbeitete über 10 Jahre an diesem Film, ursprünglich inspiriert durch die Geschichte ihrer Urgroßeltern, die sich im letzten Jahrhundert mit 10 Kindern auf die Flucht aus Odessa begeben mussten. Zusammen mit der Roman-, Kinderbuch- und Drehbuchautorin Marie Desplechin schuf sie diesen Film, wie zuvor viele, teils preisgekrönte Kurzfilme.

Gertrud Cammerer-Karger
Villingen
Mittwoch, 20. Juli 2022
20:15 Uhr
keine Vorstellung