Frankreich 2021


Regie & Buch: Céline Sciamma

Bildgestaltung: Claire Mathon

Montage: Julien Lacheray

Musik: Jean-Baptiste de Laubier (Para One)

Produktion: Bénédicte Couvreur

DarstellerInnen: Joséphine Sanz, Gabrielle Sanz, Nina Meurisse

 

73 Minuten

FSK: ab 0

Original (Französisch)
mit deutschen Untertiteln



Petite Maman
Als wir Kinder waren

Einen kleinen, erstaunlich kurzen, aber sehr feinen Film hat Céline Sciamma während der Pandemie gedreht. Wie schon in Portrait einer jungen Frau in Flammen kommt sie auch diesmal mit recht wenigen DarstellerInnen aus. Und wie schon in Water Lilies (2007) oder Tomboy (2011) stehen Kinder im Mittelpunkt der Geschichte.
Gerade eben erst ist die geliebte Großmutter der acht-jährigen Nelly gestorben. Nachdem sie sich im Pflegeheim, in welchem die Großmutter zuletzt lebte, verabschiedet hat, reist sie mit ihren Eltern in das kleine Häuschen am Rande eines großen Waldes, in dem die Großmutter mütterlicherseits Jahrzehnte lebte. Nun soll es entrümpelt und ausgeräumt werden. Nelly ist dabei keine große Hilfe und so erkundet sie verborgene Winkel des alten Hauses auf der Suche nach Spuren, schließlich unternimmt sie immer weitere Erkundungen in den großen Wald. Ihre Mutter Marion hatte, als sie selbst ein Kind war, dort eine Hütte gebaut – so erzählt sie es, bevor sie überraschend abreist und Nelly und ihren Vater allein zurücklässt. Am nächsten Tag begegnet Nelly im Wald einem gleichaltrigen Mädchen, welches gerade einen gigantischen Ast schleppt. Nelly hilft spontan mit. Das fremde Mädchen heißt Marion, sie sieht genauso aus wie Nelly (die beiden Mädchen werden von Zwillingsschwestern gespielt) und baut sich gerade eine Hütte im Wald. Die beiden Mädchen werden Freundinnen, und Nelly verbringt immer mehr Zeit mit Marion, die mit ihrer Mutter ebenfalls in einem kleinen Haus am Rande des Waldes lebt. In einem Haus, welches genauso aussieht, wie jenes von Nellys Großmutter.

In Märchen ist der Wald oft voller Geheimnisse – aber auch Gefahren. Von Rotkäppchen bis Hänsel und Gretel. Gefahren birgt der Wald in Petite Maman jedoch keine, ganz im Gegenteil. Magisch und geheimnisvoll ist er jedoch auf jeden Fall, wenn er zu einem Portal durch die Zeit wird. Und Petite Maman ist eher ein Märchen als ein Fantasy-Film, denn dass im Kino alles möglich ist, alles erlaubt ist, das muss dieser Film nicht herausstellen oder betonen. Es ist einfach eine Selbstverständlichkeit: Für ein paar Tage trifft Nelly ihre eigene Mutter als Gleichaltrige.

Richard Hehn
Villingen
Mittwoch, 27. Juli 2022
20:15 Uhr
Montag, 25. Juli 2022
20:00 Uhr