Ich freue mich, dass das guckloch-kino sich entschieden hat, meinen neuen Dokumentarfilm Die Treibende Kraft ein paar Tage vor dem Bundesstart als Preview ins Programm zu nehmen. Und nun soll ich also diesen Text fürs Programmheft schreiben. Ich habe mich aus Gründen der Transparenz dafür entschieden, ihn als persönlichen Text zu formulieren.
Die Treibende Kraft ist ein Dokumentarfilm über die aus Trossingen gebürtige, heute bei Offenburg lebende Künstlerin Angelika Nain. Ich habe vor 20 Jahren schon einmal einen kürzeren Film über sie gemacht. Damals hatte sie gerade ihr Studium an der Freien Hochschule für Bildende Kunst in Freiburg abgeschlossen und experimentierte mit Acrylfarben und Tonschlicker. Seitdem hat sie eine künstlerische Entwicklung genommen, die ich unbedingt erneut dokumentieren wollte. Diese ist geprägt durch ihre langjährige Arbeit mit Geflüchteten, den Einsatz als Teil der Crew auf einem Seenot-Rettungsschiff zwischen Libyen und Italien, eine Afrikareise, aber auch die Reflexion über das Werden und Vergehen in der Natur anhand des eigenen Gartens.
All das spiegelt sich in ihren Bildern, die eindeutig auch politisch Position beziehen. Einem Menschen mit diesen humanistischen Grundwerten einen Film zu widmen, finde ich gerade heute wichtig – in einer Zeit, in der in Deutschland die Frage dominant geworden ist, wie wir Fremde (oder das Fremde) außer Landes schaffen können.
Die Treibende Kraft hatte im April seine Uraufführung in den Forum-Cinemas in Offenburg und hat sich dort zu einem Überraschungserfolg entwickelt. Im zahlreichen Publikum saßen auch andere Künstlerinnen und Künstler aus der Ortenau, die in den Publikumsgesprächen erklärten, dass sie sich im Film mit ihrer eigenen Lebenssituation absolut wiedergespiegelt finden. Denn leider ist es so, dass Kunst uns als Betrachtern zwar Impulse gibt, uns zum Staunen bringt oder auch einfach nur erfreut, aber dass die ganz große Mehrheit der Bildenden Künstlerinnen und Künstler in Deutschland vom Kunstschaffen nicht leben kann. Auch das thematisiert mein Film. Trotzdem bleibt eben diese Treibende Kraft, die sie nicht aufgeben lässt.