Auch diesem Film könnte man das Prädikat „nach einer wahren Geschichte“ voranstellen. Doch da die im Film beschriebenen Ereignisse bereit fast 2 Jahrtausende zurückliegen, hat man darauf verzichtet. Doch auch wenn sich Regisseur und Co-Autor Robert Schwentke in der Inszenierung einige Freiheiten nimmt, bleibt er den wesentlichen Ereignissen im Leben des im Jahre 65 unfreiwillig verstorbenen, römischen Philosophen, Politiker und Geschäftsmann Lucius Seneca treu.
Doch die historischen Gegebenheiten sind hier nur am Rande erwähnenswert – Seneca, der seinerzeit reichste Mann im römischen Imperium unterrichtet den späteren Kaiser Nero und verhilft ihm als Strippenzieher zum Kaiserthron – woraufhin der bösartige Schwachmat Nero sowohl seine Mutter wie auch Seneca, die beiden maßgeblich für seinen Aufstieg verantwortlichen Personen, ermorden lässt. In diesem Historiendramea geht es vielmehr um philosophische Fragen von Macht und ihrem Missbrauch. Vorgetragen in einer klassischen Theateatersprache von Tom Xander (Nero) und John Malkovich (Seneca). Beides große Theaterschauspieler, und vor allem Malkovich trägt den Film über weite Strecken fast alleine durch seine Präsenz und Sprachgewalt.Doch auch in den Nebenrollen ist der Film hochkarätig besetzt – etwa mit der fast 80-jährigen Geraldine Chaplin. Für die Kamera zeichnete Benoît Debie verantwortlich, welcher fast alle Filme von Gaspar Noé fotografierte, aber auch schon mit Harmony Korine oder Wim Wenders arbeitete. Und für das im Film von Seneca organisierte Theaterspektakel holte sich Schwendke Ersan Mondtag zur Unterstützung.
Somit ist mit Seneca ein modernes, höchst theatralisches Historiendrama entstanden, welches seine Wurzeln im Theater offen vorzeigt und gleichzeitig sich aller Mittel des Kinos bedient.