In drei in sich abgeschlossenen Filmen reflektiert der norwegische Regisseur Dag Johan Haugerud die Themen Sex, Träume und Liebe. Im dritten Teil seiner Trilogie OSLO STORIES: TRÄUME gehe es in erster Linie »um die erste Liebe als alles verändernde Erfahrung: Sie ist intensiv, alles verzehrend und schicksalhaft«, so Haugerud.
Die 17-jährige Johanne kennt die Liebe nur aus Romanen, die sie mit großem Lebenshunger verschlingt. Deshalb trifft es sie mit besonderer Wucht, als sie erstmals ihre neue Lehrerin Johanna sieht und sich sofort Hals über Kopf in sie verliebt. Voller Sturm und Drang hält sie ihre Gefühle und Gedanken, aber auch ihre Fantasien, Wünsche und Begierde in schonungslos offenen und expliziten Texten fest, in denen Realität und Wunschtraum, Liebesbekundung wie auch sexuelles Erwachen fließend ineinander übergehen. Dann gibt sich Johanne einen Ruck, sie folgt Johanna unauffällig und klingelt an ihrer Tür. Ein Jahr später und von ihrem Schwarm zurückgewiesen, gibt sie ihre Texte von damals ihrer Großmutter Karin zu lesen. Die ehemals erfolgreiche Schriftstellerin ist begeistert von der literarischen Begabung ihrer Enkelin. Obwohl sie Johanne versprochen hat, sie nicht weiterzugeben, lässt sie sie auch ihre Tochter Kristin, Johannes Mutter, lesen, die schockiert ist von den geschilderten sexuellen Erlebnissen und die beschließt, sich mit Johanna zu treffen und sie damit zu konfrontieren.
Die sorgfältige geflochtene Handlung ist in ein hochgradig reflexives Erzählkonstrukt eingebunden, in dem aus drei unterschiedlichen weiblichen Perspektiven über Liebe, Sex und literarisches Schreiben nachgedacht wird. Nachhaltiger als die kunstvolle Konstruktion imponiert jedoch der solidarische Blick auf die Figuren und ihre Gefühlsregungen.
Erneut erweist sich Dag Johan Haugerud als genialer Verfasser von Wortgefechten – etwa wenn Karin und Kristin darüber diskutieren, ob es denn okay von Karin gewesen sei, der Tochter im Alter von zehn Jahren die Begeisterung für das Tanzmärchen Flashdance (1983) zu verderben, weil es in seiner Message nicht feministisch genug daherkomme.