In seinem neuen Dokumentarfilm nimmt uns der aus Polen stammende, heute in Deutschland lebende Regisseur Stanislaw Mucha – immer interessiert an skurrilen Themen – ins chinesische Dafen mit. Dafen ist ein Ortsteil der Millionenstadt Shenzhen, sieben Kilometer Luftlinie von Hongkong entfernt. Seit Ende der 1980er Jahre ist dort eine Künstlerkolonie entstanden, die in riesigen Stückzahlen originalgetreue Kopien berühmter Meisterwerke fertigt. Wohlgemerkt keine Kunstfälscher, denn sie signieren die Werke nicht mit den Namen der berühmten Urheber, sondern gar nicht oder allenfalls mit ihren eigenen Initialen.
Es sind Tausende arrivierter Maler und aufstrebender Nachwuchskünstler, die in Dafen im industriellen Akkord Kopien pinseln. Sehr oft Ölgemälde, aber auch Aquarell. Wobei einer der Protagonisten darauf hinweist, dass die Ölmalerei ja in China keine Tradition hat, man müsse sich das Handwerkliche erst in einem langen Prozess erarbeiten. Einer der Kopisten war früher Ohrenputzer (in China ein ehrbarer Beruf), der durch ein Missgeschick seine Arbeit verloren hat und dann zur Malerei wechselte. Eine andere Malerin hat als Kind bei einem Hausbrand schwerste Verletzungen erlitten und sitzt jetzt mit verkrüppelter Hand an der Staffelei. Auch Huang Jiang kommt vor, der 1989 die erste Kopistenwerkstatt in Dafen eröffnete und mit seinen weltweiten Geschäftsbeziehungen den Grundstein legte für das industrielle Malerdorf.
Laut einem Bericht des Magazins „Spiegel“ exportierte Dafen im Jahr 2006 Kunstkopien im Wert von 28 Millionen Euro in alle Welt. Die Mona Lisa kostet heute um die 200 Euro, aber einen Gerhard Richter gibt es schon ab 30 Euro, einen Van Gogh für 45 Euro, und im Kunstkaufhaus von Dafen werden die Leinwände auch nach Kilopreisen abgegeben. Käufer seien vor allem, heißt es im Film, international operierende Hotelketten und Einrichtungshäuser. Die Frage, ob ihr Tun verwerflich ist, stellt sich für die chinesischen Kopisten nicht. Nach ihrem Selbstverständnis ist jede Kopie eine Ehrerbietung an den ursprünglichen Autor des Werks. Von Stanislaw Mucha in der ihm eigenen, lakonischen Art kommentiert, regt der Film zum Nachdenken an über Kunst und ihren Markt.