Seit seinem Langfilmdebut 2012 wurde Kleber Mendonça Filho mit 138 internationalen Filmpreisen ausgezeichnet, er gilt als einer der wichtigsten Filmemacher – nicht nur seines Heimatlandes, sondern auch international. Er saß in den Festival-Jurys von Cannes, Venedig und 2020 auch in Berlin – was besonders erstaunt, war doch bis dahin nicht ein einziger seiner Filme in deutschen Kinos zu sehen gewesen. Für das deutsche Publikum blieb er unsichtbar und unbekannt. Mit O Agente Secreto, seinem jüngsten Film, erreicht er nun erstmals auch deutsche Kinos. Vielen Kritikern gilt er als sein bislang bester. Die britische Filmzeitschrift Sight & Sound kürte ihn gar zu einem der besten Filme des Jahres 2025.
Angesiedelt 1977 im armen Nordosten Brasiliens, also mitten in der 21-jährigen Militärdiktatur, ist O Agente Secreto Drama, Satire, ein faszinierend entspannter Thriller und zugleich die detailverliebte Abbildung einer vergangenen Zeit und eines vergangenen Ortes – mit teilweise expressionistischen und grotesken Elementen, die man unvoreingenommen akzeptieren sollte. Wagner Moura spielt Armando (oder Marcelo?), einen großen, bärtigen Mann mit sanfter Ausstrahlung und einem melancholischen Blick. Er kommt in einem leuchtend gelben VW Käfer in Recife, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Pernambuco, an. Warum er nach Recife gekommen ist, bleibt uns verborgen. Und wir werden es lange Zeit nicht erfahren. Man muss den Subtext erfassen, um manche Gespräche zu verstehen. Marcelo (oder Armando?) und die anderen Figuren in seinem Umfeld vermeiden es, ihre Gedanken direkt auszusprechen. Oder wie es ein amerikanischer Kritiker treffend formulierte: »Niemand in diesem Film sagt jemals, was er wirklich denkt oder meint, denn niemand weiß hier, wer vielleicht mithört und warum er mithört.« Das Ergebnis ist irgendwo zwischen Kafkaesker Absurdität und Buñuelschem Surrealismus zu verorten.