Vor mehr als zehn Jahren hat die aus Furtwangen gebürtige Filmemacherin Sigrid Klausmann ein Langzeitprojekt begonnen. „199 kleine Held*innen“ hat sich zum Ziel gesetzt, in jedem Land der Welt ein Kind zu porträtieren, mit seinen Träumen, Hoffnungen und Ängsten. Girls don’t Cry ist ein weiterer Film in diesem globalen Serienprojekt. Sigrid Klausmann und ihre Co-Regisseurin Lina Luzyte zeigen sechs junge Frauen im Teenageralter aus sechs verschiedenen Ländern in ihrem Streben nach einem selbstbestimmten Leben.
So ist Nancy in Tansania in ein Schutzhaus geflohen, um der geplanten Genitalverstümmelung und Zwangsverheiratung zu entgehen. Sie hat damit ihre Mutter beschämt, die für eine beschnittene Tochter mehr Kühe als Brautpreis erhalten würde. Selenna wurde in Santiago de Chile im Körper eines Jungen geboren, fühlt sich aber seit der Kindheit als Mädchen und möchte diese sexuelle Identität auch leben. Nina ist mit ihrer Mutter aus Deutschland ins serbische Novi Sad abgeschoben worden und lebt dort in einer Roma-Siedlung. Sie leidet darunter, dass sie mit der Abschiebung ihre deutschen Freunde verloren hat und stellt sich ein Leben außerhalb der geltenden Traditionen in der Siedlung vor. Und Sinai in Südkorea widersetzt sich dem dort propagierten Schönheits- und Jungmädchen-Ideal mit Schminke und Gesichtsoperationen. Stattdessen trainiert sie wie ein Junge mit dem BMX-Rad in der Halfpipe für einen Wettkampf.
Das sind nur vier von sechs Beispielen in Girls don’t Cry. Allen Teenagern ist gemein, dass sie mit ihren Vorstellungen für das künftige Leben gegen die Traditionen, Rituale und Regeln der eigenen Community aufbegehren. »Durch das große Vertrauen, welches die Filmschaffenden zu den Mädchen aufgebaut haben, entsteht in jeder Sequenz sofort eine unmittelbare Nähe«, so die Deutsche Film- und Medienbewertung über Girls don’t Cry. »Die einzelnen Sequenzen, die durch geschickte Montage miteinander verbunden werden, machen bewusst, welche Kämpfe junge Frauen auf der ganzen Welt auszufechten haben.«