Ich habe solche Angst ….
Am 29. Januar 2024 ist die fünfjährige Hind mit ihrem Onkel, Tante und deren vier Kindern in einem Auto auf der Flucht aus Gaza City, in vermeintlich sichere Gebiete. Kurz nach Beginn der Flucht werden fünf von ihnen durch massiven Beschuss getötet. Zunächst überleben die ältere Cousine Layan und Hind. Layan Hamada, die hilfesuchend den Palästinensischen Roten Halbmond (PRCS) anruft, berichtet panisch von näherkommenden Panzern. Auch sie wird kurz darauf von tödlichen Schüssen getroffen. Mitarbeiter des Roten Halbmonds versuchen eine Rettungsaktion zu organisieren und halten über Stunden telefonischen Kontakt zu Hind.
Der Film beschränkt sich fast ausschließlich auf die Einsatzzentrale des Palästinensischen Roten Halbmonds, die mit großer Sorgfalt rekonstruiert wurde. Palästinensische Schauspieler übernehmen die Rollen der Sanitäter, doch das Herzstück des Films ist Hinds echte Stimme. Nichts wird geglättet: Rauschen, Verzerrungen, Pausen, in denen die Stille selbst wie ein Schrei wirkt, sind erhalten. Die Regisseurin Ben Hania nutzt den Ton wie ein eigenständiges filmisches Element: Er transportiert die Panik, die Angst und die absolute Hilflosigkeit.
Die Regie von Ben Hania ist zurückhaltend, fast minimalistisch und doch erzeugt der Film intensive Gefühle in diesen von Kriegen bestimmten Zeiten. Die Spannung entsteht durch Reduktion und Konzentration auf das Wesentliche. Das Kino gibt Hind zurück, was der Krieg nahm: nicht ihr Leben, aber ihre Präsenz.
Hinds Stimme erklingt auf den größten Bühnen der Welt. Doch die bittere Wahrheit bleibt: Alle Kinder im Krieg – hätten nie das Kino brauchen dürfen, um gehört zu werden!