Im Sommer 1956 reist der berüchtigte Kriegsverbrecher, der KZ-Arzt von Auschwitz, Josef Mengele zu einer Familienfeier ins schwäbische Günzburg, seine Heimatstadt. Er reist mit einem Reisepass der Bundesrepublik Deutschland, ausgestellt auf seinen wahren Namen von der deutschen Botschaft in Buenos Aires. Der Film von Kirill Serebrennikov beginnt mit seiner Ankunft am Stuttgarter Flughafen. Völlig unbehelligt kehrt er einige Wochen später zurück nach Argentinien, wo 1958 die Hochzeit mit seiner zweiten Ehefrau stattfindet. Die Hochzeitsgäste tragen Nazi-Uniformen und -Orden, die Torte ist mit Hakenkreuzflaggen dekoriert.
Doch dieser Flim ist kein Biopic über eine Nazigröße. Auch wenn Serebrennikov und sein Autor Olivier Guez (der aus seinem Roman das Drehbuch entwickelt hat) keinen Zweifel an der Psyche und inneren Verfasstheit ihres Protagonisten aufkommen lassen. Der Film springt im Wesentlichen immer wieder zwischen zwei Zeitebenen: 1956 bis ca. 1962 und 1977. Nach der Entführung Adolf Eichmanns durch den israelischen Geheimdienst fürchtet auch Mengele ein ähnliches Schicksal und taucht in Brasilien unter. Hier wird er 1977 von seinem knapp 20jährigen Sohn besucht, welcher nach Antworten verlangt. Doch eine Verständigung ist nicht mehr möglich. Der inzwischen verarmte Mengele ist immer noch voller Hass, hält sich für einen Angehörigen der „Herrenrasse“. Für seinen langhaarigen Sohn aus Deutschland hat er nur Verachtung übrig, von den Verhältnissen im Deutschland der 70er Jahre hat er keine Ahnung mehr.
Kirill Serebrennikov war bereits in Russland ein gefeierter Theaterregisseur als er 2020 zu einer mehrjährigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde. 2022 konnte er flüchten und lebt seither in Hamburg. Seither arbeitet er sehr erfolgreich als Opernregisseur, dreht aber auch immer wieder Filme. Deren opernhafte Bildgewalt gilt inzwischen als sein Markenzeichen.
Josef Mengele starb 1979 in Brasilien bei einem Badeunfall. Er war zu diesem Zeitpunkt der weltweit meistgesuchte Nazi-Verbrecher. Seine Identität wurde erst 1992 durch eine DNA-Analyse endgültig geklärt. Lebenslange Kontakte zur Familie in Günzburg wurden vermutet, konnten aber nie bewiesen werden.
Frankreich, Deutschland u. a. 2025
Regie: Kirill Serebrennikov
Buch: Olivier Guez, Kirill Serebrennikov
Kamera: ladislav Opelyants
Schnitt: Hansjörg Weißbrich
Produktion: Charles Gillibert, Ilya Stewart
DarstellerInnen: August Diehl, Maximilian Meyer-Bretschneider, David Ruland, Friederike Becht, Burghart Klaußner
135 Minuten
FSK: ab 12
Festivals & Preise:
Deutscher Filmpreis (Lola) 2026: 7 Nominierungen, u.a. Bester Film, Beste Kamera, Bester Hauptdarsteller
Original (Deutsch, Portugiesisch, Spanisch, Ungarisch)
mit deutschen Untertiteln
Das Verschwinden des Josef Mengele
Donaueschingen
Villingen
Montag, 10. August 2026
20:00 Uhr
20:00 Uhr
Mittwoch, 29. Juli 2026
20:15 Uhr
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