Jordanien/USA 2024

Regie: Brandt Andersen,
Drehbuch: Brandt Andersen
Bildgestaltung: Jonathan Sela
Musik: Nick Chuba
Montage: Jeff Seibenick
Produktion: Philistine Films
DarstellerInnen: Yasmine Al Massri, Yahya Mahayni, Omar Sy, Constantine Markoularis

104 Minuten

FSK: ab 16

Festivals & Preise:
Amnesty International Filmpreis 2024

Original (Arabisch, Griechisch, Englisch)
mit deutschen Untertiteln



I was a Stranger
Das Los des Fremden

Das Los des Fremden ist das Spielfilm-Regiedebut des 1977 geborenen US-amerikanischen Produzenten Brandt Andersen und basiert auf seinem themengleichen Kurzfilm Refugee, der 2020 auf die Shortlist für den Besten Kurzfilm der Oscar-Verleihung gelangte. Brandt Andersen ist vielfältig humanitär engagiert. So gründete er 2021 zum Beispiel die „Reel Foundation“ mit dem Ziel, mit den Mitteln der Kunst und des Storytelling Akzeptanz für Geflüchtete und marginalisierte Communities zu schaffen.

Wie ein Blockbuster inszeniert, schildert Andersen in Das Los des Fremden in fünf in sich abgeschlossenen Episoden Fluchtgeschichten aus fünf verschiedenen Perspektiven. Da gibt es die syrische Ärztin Amira, die inmitten des Bürgerkriegs in einem Krankenhaus versucht, Leben zu retten. Dabei gerät sie in Konflikte, weil sie Aufständische genauso behandelt wie die Schergen des Assad-Regimes. Nach einem Bombenangriff flieht sie mit ihrer Tochter, versteckt im Kofferraum eines Autos und gerät dort unter Beschuss. Dann gibt es den syrischen Soldaten, dem nach der Ermordung eines Kindes Zweifel an der Richtigkeit seines Tuns kommen. Die dritte Episode handelt von einem Schleuser, der brutal die Flüchtenden ausbeutet, um seinem Sohn eine bessere Zukunft zu finanzieren. In der vierten Episode geht es um einen Dichter, der mit seiner Familie im Schlauchboot die Überfahrt nach Europa wagt, und in Episode fünf steht ein Kapitän der griechischen Küstenwache im Mittelpunkt, der mit aller Kraft und gegen die Kritik aus dem eigenen Freundeskreis versucht, möglichst viele Flüchtende vor dem Ertrinken im Mittelmeer zu retten. Alle diese Episoden sind an mindestens einem Punkt der Handlung miteinander verknüpft.

Der Film hatte bei der Berlinale 2024 seine Weltpremiere, damals noch unter dem Titel The Stranger’s Case, und die Reaktionen waren zwiespältig. Zum einen ist da der Filmpreis, der ihm von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International zuerkannt wurde. Zum anderen sind da Filmkritiken, die Brandt Andersen wegen der Art der Inszenierung mit hochdramatischen Action-Szenen Effekthascherei, wackelige Handlungskonstruktion und Eindimensionalität der Figuren vorwerfen. Unabhängig davon bleibt aber sein Appell an Mitmenschlichkeit. Ein Film also, der viel Gesprächsstoff bietet.



Donaueschingen
Montag, 19. Oktober 2026
20:00 Uhr
Mittwoch, 21. Oktober 2026
20:15 Uhr