Deutschland / Slowakei 2023

Regie: Joachim A. Lang
Drehbuch: Joachim A. Lang
Bildgestaltung: Klaus Fuxjäger
Musik: Michael Klaukien
Montage: Rainer Nigrelli
Produktion: Zeitsprung Pictures, SWR
DarstellerInnen: Robert Stadlober, Fritz Karl, Franziska Weisz, Moritz Führmann

135 Minuten

FSK: ab 12

Deutsche Originalfassung



Führer und Verführer

In einer Mischung aus Spielszenen, filmischem Archivmaterial und Interviews mit Überlebenden des Holocaust beschäftigt sich der Regisseur Joachim A. Lang mit den Wirkmechanismen der Propaganda im Nationalsozialismus. Er macht Parallelen zu heute deutlich, wo im Zeitalter von Fake News und Desinformation moderne Hetzer und Herrscher die gleichen Methoden anwenden, um die Meinung der Bevölkerung zu beeinflussen, Macht zu gewinnen und zu missbrauchen.

Beginnend mit dem „Anschluss“ Österreichs 1938 und endend mit Mord und Selbstmord im Führerbunker 1945 stellt Lang die Frage, wie es den Tätern von Holocaust und Zweitem Weltkrieg gelingen konnte, ihre Verbrechen umzusetzen, und warum die Mehrheit der Deutschen Hitler in die Katastrophe folgte. Eine zentrale Rolle spielte dabei Propagandaminister Joseph Goebbels. Er schürte den Hass mit den antisemitischen Filmen Jud Süß und Der ewige Jude, er sorgte für die kontrollierte Inszenierung der großen Massenveranstaltungen mit dem Höhepunkt der durchchoreographierten Sportpalastrede zum „totalen Krieg“.

 

Joachim A. Lang erzählt nicht aus der Perspektive der Opfer, sondern der Täter: »Die Gefahr besteht nicht in einer Vermenschlichung dieser Verbrecher, sondern in ihrer Dämonisierung. Als Dämonen fällt es leicht, sie von uns fernzuhalten. Sie konnten aber ihre Verbrechen nur ausführen, weil sie Menschen waren und auch Züge hatten, die wir in uns allen erkennen.« Der Film blickt ins Innere des Machtapparats, zeigt die Querelen, die Abhängigkeiten und Hierarchien. Inszenierte Dialogszenen gehen teilweise nahtlos mitten im Satz in historisches (Propaganda-)Filmmaterial über.

Die Fiktionalisierung basiert auf historischen Quellen, bis hin zu verbrieften Dialogen. »Ich beschäftige mich mit dem Thema seit 50 Jahren«, so Lang bei den AG-Kino-Screenings im Frühjahr in Berlin, »ich habe, glaub ich, alle Quellen, die es dazu gibt, gelesen.« Als Berater stand ihm der Historiker Thomas Weber zur Seite. Ergänzt und gebrochen werden die fiktionale und die Archivebene durch Aussagen von Zeitzeugen wie Margot Friedländer, Eva Szepesi und Leon Weintraub. »Ich wollte nicht, dass die Täter das letzte Wort haben«, so Lang.

 

Villingen
Mittwoch, 14. August 2024
20:15 Uhr
Montag, 12. August 2024
20:00 Uhr