Zeitmaschine Film

In Kooperation mit Uhrenindustriemuseum

Sich mit dem Verhältnis von „Film“ und „Zeit“ zu beschäftigen, ist sicher eine der schwierigeren Fragen, wenn man sich philosophisch mit diesem Medium beschäftigen will. Vielleicht liegt dies auch darin begründet, dass Film als Kunstform Zeit mehr als alle anderen künstlerischen Ausdrucksformen in sich trägt. Film als „Bewegtbild“ enthält immer eine Zeit-Komponente. Bewegung erfordert Zeit. Im Gegensatz zu Theater und Tanz, welche ebenfalls immer eine Bewegung in der Zeit darstellen, erschafft Film eine „künstliche Zeit“, während sich Theater, Tanz (und natürlich auch Musik) immer in der „realen Zeit“ entfalten. Wenn Christian Metz einen „Körperverlust“ im Kino konstatiert, kann man dies durchaus weiterdenken im Sinne eines damit einhergehenden „Zeitverlusts“.

Oberflächlich betrachtet gibt es natürlich jede Menge Filme, die sich mit Zeitreisen und ähnlichen Phänomenen beschäftigen – naturgemäß vor allem im Sci-Fi-Genrekino. Von Die Zeitmaschine (1960) über Zurück in die Zukunft (1985 - 1990) bis hin zum aktuellen Klamauk Catweazle (2021), in dem ein mittelalterlicher Magier ins 20. Jahrhundert versetzt wird, Zeitreisen waren schon immer ein beliebtes Thema im Kino. Herausragend ist natürlich Chris Markers verstörende Zeitreise-Phantasie La jetée (1962), in der das Thema sehr philosophisch (und auf eine außergewöhnliche cineastische Weise) behandelt wird. Der Film erzählt die Geschichte einer Bewegung durch die Zeit, aber er besteht ausschließlich aus Standbildern.

Interessanter als eine Auseinandersetzung mit Zeitmaschinen auf der Handlungsebene finde ich daher die Beschäftigung mit der Frage, inwiefern Film von Natur aus und in seiner ureigensten Qualität bereits eine Zeitmaschine darstellt. Film kann Zeit komprimieren, beschleunigen oder verlangsamen. Filmschnitt ist immer auch eine Montage von Zeit. Die Montage (welche unsere Zeitwahrnehmung beeinflusst) und die Kadrierung (welche unsere Raumwahrnehmung beeinflusst) sind zwei der wichtigsten Werkzeuge eines jeden Filmregisseurs. Der kreative Einsatz der „Zeitmaschine Film“ bringt mitunter Meisterwerke hervor, manchmal aber auch cineastische Unfälle mit Totalschaden. (Wir zeigen natürlich nur die Meisterwerke!)

Jean Cocteau sagte einmal, „durch den Film könne man dem Tod bei der Arbeit zuschauen“. Anders ausgedrückt, der Film kann auch unseren Blick auf das Vergehen der Zeit schärfen – indem er es vollbringt, sie gleichzeitig anzuhalten und weiter vergehen zu lassen. Jean-Luc Godard hatte bereits festgestellt: »Film ist die Wahrheit – 24 mal in der Sekunde.« Werner Nekes fragt hingegen: Was geschah wirklich zwischen den Bildern? (1986).

Richard Hehn