Schweden/Dänemark 2018

Regie: Ali Abbasi
Drehbuch: John Ajvide Lindqvist, Ali Abbasi, Isabella Eklöf
Bildgestaltung: Nadim Carlsen
Musik: Christoffer Berg, Martin Dirkov
Montage: Olivia Neergaard-Holm, Anders Skov
Produktion: Nina Bisgaard, Peter Gustafsson, Petra Jönsson
Darsteller: Eva Melander, Eero Milonoff, Jörgen Thorsson, Sten Ljunggren, Ann Petréla, Rakel Wärmländer, Matti Boutstadt

110 Minuten

FSK: ab 16

Festivals & Preise:
Cannes 2018: Prix Un Certain Regard
Guldbagge 2019 (Nationaler Schwedischer Filmpreis): Bester Film, Bestes Make-Up, Bester Ton, Beste Hauptdarstellerin, Bester Nebendarsteller
Oscars 2019: Nominierung Bestes Make-Up

Original (Schwedisch)
mit deutschen Untertiteln



Villingen
Mittwoch, 14. August 2019
17:00 Uhr (DF)
20:15 Uhr (OmU)
Donaueschingen
Montag, 30. September 2019
20:00 Uhr
GränsGränsGräns
Gräns
Border

Schon bei seiner Uraufführung in Cannes erregte Ali Abbasis außergewöhnlicher Film Border großes Aufsehen. Die Jury war begeistert und verlieh Abbasis Adaption einer Erzählung des bekannten schwedischen Autors John Ajvide Lindqvist den Preis Un Certain Regard.

Außergewöhnlich ist Border allemal. Nicht nur, da Hauptdarstellerin Eva Melander täglich vier Stunden von den Maskenbildnern bearbeitet wurde – nicht weniger lang übrigens ihr Kollege und Nebendarsteller Eero Milonoff. Auch die Handlung an sich überschreitet Grenzen, vermischt unterschiedliche Genres zu einem spannenden und düsteren Ganzen. Es geht um die 40-jährige Tina, die mit einem deformierten Gesicht zur Welt gekommen ist und eine regelrecht übermenschliche Begabung besitzt: Sie kann Gefühle wie Angst und Unsicherheit riechen.

Diese Fähigkeit macht sich die schwedische Polizei zunutze, was dazu führt, dass Tina eine Stelle beim Zoll erhält. Tatsächlich landet sie dabei einen Volltreffer und kommt auf die Spur eines Kinderpornorings. Doch bei einer ihrer Kontrollen begegnet sie völlig unerwartet Vore, der genauso entstellt ist wie sie …

Der Schriftsteller John Ajvide Lindqvist bleibt sich auch in seiner Erzählung „Gräns“ treu, nachdem er mit seinem Roman „Let the Right One in“ international Aufsehen erregte, indem er eine gekonnte Mischung aus realem Drama mit unheimlichen Aspekten würzte. Der Roman wurde damals gleich zweimal verfilmt. Einmal als schwedischer Spielfilm, das andere mal als Remake in einer englisch-amerikanischen Koproduktion, welche zugleich Filmgeschichte schrieb, da hinter dieser Produktion die legendären Hammer-Studios standen, die nach fast 40 Jahren Pause wieder ihren Betrieb aufnahmen.

Auch Ali Abbasi gelingt es in Border, das Phantastische mit dem Realen gekonnt zu verbinden und damit Lindqvists Vorlage gerecht zu werden. Die Pointe des Ganzen soll natürlich nicht verraten werden, doch vermengen sich in dem Film schwedische Folklore mit den Aspekten eines typischen nordischen Krimis. John Ajvide Lindqvist verfasste daraus einen ersten Drehbuchentwurf, der später von Ali Abbasi überarbeitet wurde. Dabei zeigen sich beide Autoren als äußerst kreativ und selbstbewusst. Die Originalität der Handlung bringt frischen Wind ins Kino, nicht nur, da sie Fantasy mit Drama und Krimi mit Arthouse vermischt, sondern auch, da der Film eine angenehme Eigenwilligkeit besitzt, die sich davor sträubt, in eine bestimmte Kategorie gefasst zu werden. Immer wieder schimmert zwischendrin ein herrlicher, teils bizarrer Humor hindurch, der den Unterhaltungswert zusätzlich steigert.

Nicht zuletzt darf man die Leistungen von Hauptdarstellerin Eva Melander und Nebendarsteller Eero Milonoff nicht unerwähnt lassen. Trotz dicker Latexmasken, für die es den Guldbagge Award gab, spielen beide ihre Rollen äußerst feinfühlig, ja verleihen dem Film dadurch eine poetische Note, wodurch Border eine komplexe und faszinierende Tiefe erhält.

All dies macht den Film nicht nur für Fans schwedischer Krimis interessant, sondern für jeden, der einmal im wahrsten Sinne des Wortes etwas Anderes sehen möchte.

Max Pechmann