Kanada 2010

Regie: Denis Villeneuve
Drehbuch: Denis Villeneuve, Valérie Beaugrand-Champagne
Produktion: Luc Déry, Kim McCraw
Musik: Grégoire Hetzel
Bildgestaltung: André Turpin
Montage: Monique Dartonne
Schauspieler: Lubna Azabal, Mélissa Désormeaux-Poulin, Maxim Gaudette, Rémy Girard, Abdelghafour Elaaziz

133 Minuten

FSK: ab 12

Festivals und Preise
Genie Awards Quebec 2011: 7 Preise, u.a. Bester kanadischer Film
Oscar 2011: Nominierung als Bester Fremdsprachiger Film
 

Original (Französisch, Arabisch)
mit deutschen Untertiteln



Villingen
Mittwoch, 18. Dezember 2019
20:15 Uhr
Donaueschingen
Montag, 16. Dezember 2019
20:00 Uhr
IncendiesIncendiesIncendies
Incendies
Die Frau, die singt

Nawal Marwan, eine junge Christin, wird von ihren Brüdern erwischt, als sie mit ihrem Geliebten, einem jungen Palästinenser, aus ihrem Dorf fliehen will. Vor ihren Augen erschießen die Brüder den Freund, nur durch das Eingreifen der Großmutter wird die Tötung der Schwester, ein „Ehrenmord“, verhindert. Nawal ist schwanger und bringt mit der Hilfe der Großmutter einen Jungen zur Welt, der einem Waisenhaus übergeben wird, während Nawal zu ihrem Onkel in die Stadt geschickt wird und dort die Schule besuchen kann.

Als der Bürgerkrieg immer brutaler wird – gemeint ist der Krieg im Libanon von 1975 bis 1990, in dem sich Christen, Palästinenser, Israelis, Syrer, die Hisbollah und weitere Gruppen heftig bekämpfen – begibt sich Nawal wieder in den Süden des Landes, um ihren Sohn zu suchen. Sie erlebt dort, wie christliche Milizen einen Bus stoppen und alle Menschen, die sich darin befinden, töten; nur Nawal kann sich retten. Sie schließt sich daraufhin einer islamistischen Guerillagruppe an, um Rache für das Massaker nehmen zu können. Sie erschießt den Chef der christlichen Milizen, wird festgenommen und für fünfzehn Jahre in ein berüchtigtes Foltergefängnis gesteckt.

Sie wird gequält, geschlagen, vergewaltigt. Sie lässt sich nicht brechen, immer, wenn sie gefoltert wird, singt sie in ihrer Zelle Nr. 72, um zu überleben. Das ist auch so, als sogar ein Folterspezialist, Abou Tarek, für sie in das Gefängnis geholt wird und sie schließlich schwängert. Abou Tarek ist ein Kind aus einem Waisenhaus, zuerst war er von den Islamisten zum Scharfschützen ausgebildet worden, dann, nach seiner Gefangennahme durch christliche Milizen, war er zu einem fanatischen Folterer geworden.

Diese Vorgeschichte wird in zahlreichen Einblendungen und Rückblicken erzählt.

Die eigentliche Handlung beginnt nach dem Tod von Nawal Marwan, die 18 Jahre mit ihren Kindern, den Zwillingen Jeanne und Simon, in Kanada gelebt hatte und bei Jean Lebel, einem Notar, der ihr guter Freund geworden war, gearbeitet hatte.

Nawal bestimmt in ihrem Testament, dass sie nackt und mit dem Gesicht nach unten anonym bestattet werden soll. Nur wenn es ihren Kindern gelingt, den Vater zu finden und ihm einen Brief zu übergeben, und wenn es ihnen ebenso gelingt, ihren Bruder im Nahen Osten zu finden und ihm ebenfalls einen Brief von ihr zu überreichen, dann soll für Nawal ein Grabstein mit ihrem Namen gesetzt werden.

Die Tochter und später auch der Sohn, dieser eher missmutig, begeben sich auf die Suche nach dem gemeinsamen Vater, den sie noch nie kennengelernt haben, und dem Bruder, dessen Existenz ihnen unbekannt war.

Sie finden tatsächlich den Vater, sie finden auch den Bruder, sie erfahren die schreckliche Lebensgeschichte ihrer Mutter, der Gefangenen in Zelle 72, der Frau, die singt.

Der Film basiert auf der Lebensgeschichte von Souha Bechara, die Wajdi Mouawad zu dem vielgespielten Drama „Verbrennungen“ inspiriert hatte.

Ich lasse den Schluss der Geschichte unerzählt, um die Spannung zu erhalten, aber der Film wird Ihnen - wie mir - den Atem rauben. Versprochen

Gerhard Kiefer