Deutschland, Italien 2018

Regie und Buch: Ulrich Köhler

Bildgestaltung: Patrick Orth

Montage: Laura Lauzemis

Produktion: Claudia Steffen, Christoph Friedel

Darsteller: Hans Löw, Elena Radonicich, Michael Wittenborn, Ruth Bickelhaupt


120 Minuten

FSK:ab 12

 

Festivals & Preise:
Cannes 2018: Un Certain Regard

Deutsche Originalfassung



Villingen
Mittwoch, 16. Januar 2019
20:15 Uhr
Donaueschingen
keine Vorstellung
In My Room

Was würdest du tun, wenn du morgens aufwachst und feststellst, du bist der einzige Mensch auf der Erde?

Mit dieser Frage beschäftigt sich In My Room.Was tun wir, wenn wir plötzlich die maximale Freiheit bekommen?

 

Der Film ist in drei Teile unterteilt. Zunächst lernt man Armin kennen. Er lebt alleine und wird langsam zu alt für die Frauen, die er mag. Er hat sich lange alle Optionen offen gehalten, lebt vor sich hin, nimmt was er kriegt und vermeidet es, in die Zukunft zu schauen. Als seine Großmutter stirbt, beginnt er sich grundsätzliche Fragen zu seinem Leben zu stellen.

Der zweite Teil beginnt, als er in einer menschenleeren Welt aufwacht. Er wählt bewusst das Leben und beginnt sich in seiner Heimat eine eigene kleine Welt einzurichten.

Im dritten Teil treffen die vermutlich letzten beiden Menschen aufeinander, Armin glaubt zum ersten Mal an die Liebe. Aber auch im Paradies stellt sich die Frage, ob die Möglichkeit des Glücks der Wirklichkeit standhält.

 

Was mich an dem Film beeindruckt hat, sind die sehr unterschiedlichen Möglichkeiten, wie die beiden mit der Situation, zunächst allein auf der Welt zu sein, jeweils umgehen und wie sie versuchen einen gemeinsamen Weg zu gehen. Die beiden bekommen die Chance, ihr Leben neu zu gestalten, aber ihre eigenen Einstellungen und Erlebnisse hindern sie daran, wirklich bei Null anzufangen.

Kirsi ist die Ruhelose, die jagen geht, sich nicht binden will, und er ist der Sesshafte, der seine eigene neue Welt schaffen und eine Familie gründen will.

Sie glaubt nicht an die Zukunft, will aber die Zeit, die ihr bleibt, nutzen, um etwas zu erleben. Armin dagegen sieht sie als seine Eva, nimmt ihre Haltung nicht ernst. Sein Traum muss auch ihr Traum sein. Die verschiedenen Lebensentwürfe führen zu Konflikten, die es ihnen letztendlich unmöglich machen, zusammen zu leben.

Man könnte sagen Armin ist frei, weil er einen Neuanfang wagt. Umgekehrt könnte man sagen, Kirsi ist frei, weil sie sich der Logik der Situation verweigert. Wenn die letzte Frau den letzten Mann trifft, müssen sie noch lange kein Paar werden.

In einer Welt, in der gesellschaftliche Zwänge plötzlich keine Rolle mehr spielen, stellt sich die Frage, welche Freiheiten wir wirklich zulassen wollen oder können.

Mareike Jäkel