Italien/Deutschland/Frankreich/Schweiz 2018

 

Regie & Buch: Alice Rohrwacher
Bildgestaltung: Hélène Louvart
Musik: Piero Crucitti
Montage: Nelly Quettier
Produktion: Carlo Cresto-Dino
Darsteller: Adriano Tardiolo, Alba Rohrwacher, Agnese Graziani, Tommaso Ragno, Luca Chikovani, Sergi Lopez, Nicoletta Braschi


127 Minuten

FSK: ab 12

Preise:
Cannesa 2018: Goldene Palme f(Bestes Drehbuch),
European University Film Award

Original (Italienisch)
mit deutschen Untertiteln



Villingen
Mittwoch, 03. Juli 2019
17:00 Uhr (DF)
20:15 Uhr (OmU)
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Donaueschingen
Montag, 01. Juli 2019
20:00 Uhr
Lazzaro FeliceLazzaro FeliceLazzaro Felice
Lazzaro Felice
Glücklich wie Lazzaro

Italiens Filmindustrie ist sicherlich nicht mehr das, was sie einmal war. Dennoch kommen hin und wieder wahre cineastische Perlen aus diesem Land, wie z. B. Glücklich wie Lazzaro, die vierte Regiearbeit von Alice Rohrwacher.

 

Es geht darin um den gutmütigen Lazzaro, der als Knecht auf einem einsam gelegenen Gut arbeitet. Die Gutsherrin Marchesa Alfonsina de Luna führt dort ein tyrannisches Regime. Eines Tages kommt der Sohn der Marchesa namens Tancredi zurück auf das Gut, der genauso sehr unter ihr leidet wie die Bauern. Zwischen Lazzaro und Tancredi entwickelt sich eine außergewöhnliche Freundschaft, die Lazzaros Leben für immer verändert …

 

Alice Rohrwacher ließ sich für ihre Geschichte von einer wahren Begebenheit inspirieren. In Italien gab es bis Ende der 1980er Jahre tatsächlich ein solches Gut, in dem die Herrin ihre Bauern weiterhin unterdrückte, obwohl die Naturalpacht abgeschafft worden war. Dass die wahre Marchesa ihre Tyrannei aufrechterhalten konnte, lag darin begründet, da ihr Gut so abseits lag, dass die Bauern von der Abschaffung dieses Pachtsystems nichts mitbekommen hatten.

 

Berührt von dem Schicksal dieser Bauern, entwickelte die Regisseurin die Geschichte um Lazzaro, der schlicht und ergreifend ein guter Mensch ist, der selbst an das Gute im Menschen glaubt, sodass er geradezu unschuldig, vielleicht sogar ein wenig naiv wirkt. Wie der Name Lazzaro bereits andeutet, orientiert sich Rohrwacher dabei an mythologischen und biblischen Motiven, welche der Geschichte eine geradezu poetische Doppeldeutigkeit verleihen.

 

Bei allem Realismus, der in Glücklich wie Lazzaro herrscht, erscheint die Geschichte dennoch bzw. zugleich wie ein Märchen. Dies liegt an der besonderen Charakterisierung der einzelnen Figuren, welche dem Geschehen etwas Parabelhaftes verleihen, sie auf eine höhere Ebene emporheben, woraus sich diese ganz besondere Atmosphäre des Films ergibt, welche den Zuschauer vollkommen einnimmt.

 

Gedreht wurde der Film im Sommer und Winter 2017. Die Aufnahmen der ersten Hälfte entstanden in der Gegend um Viterbo, die Aufnahmen der zweiten Hälfte zwischen Mailand und Turin. Hinter der Kamera stand Hélène Louvart, die bereits mit Wim Wenders für den Film Pina zusammengearbeitet hat und dafür den Cameraimage-Preis erhielt. Alles in allem ein echtes cineastisches Erlebnis.

Max Pechmann