UK 2019

 

Regie: Ken Loach

Drehbuch: Paul Laverty

Kamera: Robbie Ryan

Musik: George Fenton

Schnitt: Jonathan Morris

Produktion: Sixteen Films/Why Not Production

Darsteller: Kris Hitchen, Debbie Honeywood, Rhys Stone

 

100 Minuten

FSK: ab 12

Original (Englisch)
mit deutschen Untertiteln



Villingen
Mittwoch, 15. Juli 2020
18:00 Uhr (deutsch)
20:15 Uhr (OmU)
Donaueschingen
Montag, 13. Juli 2020
20:00 Uhr
Sorry We Missed YouSorry We Missed YouSorry We Missed You
Sorry We Missed You

Das neue Drama von Ken Loach macht wütend. Sehr wütend. Es handelt von einer vierköpfigen Familie in Newcastle im Norden Englands, die trotz 14-Stunden-Schichten beider Elternteile kaum über die Runden kommt.

Paketbote Ricky, der als selbstständiger Kurierfahrer arbeitet, und seine als Altenpflegerin tätige Frau Abbie leiden unter ihren Null-Stunden-Verträgen und kommen mit der laufenden Selbstausbeutung an ihre körperlichen und seelischen Grenzen. Die Schulden steigen, die Patienten leiden unter Vernachlässigung, und die Kinder reagieren auch zunehmend rebellischer auf die dauernde berufsbedingte Abwesenheit der Eltern.

 

Ken Loach hat mehrfach die wichtigsten Preise der Filmbranche gewonnen und wurde mehrfach für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Mit seinen 83 Jahren und nach 50 Jahren im Filmgeschäft denkt er aber noch lange nicht an den Ruhestand. Im Interview erzählt er:

»Es ist gut, dass der Film wütend macht, denn es ist unfair. Die Art, wie sich die Arbeitswelt verändert hat, ist unfair. Früher hatte man einen Job, bei dem man sicher wusste, der hält und man kann vom Einkommen die Familie durchbringen. Heute ist das Arbeitsleben eine Katastrophe. Man weiß nie, ob man morgen noch einen Job hat, es wird insgesamt schlechter bezahlt und Du weißt nie, was Du nächste Woche verdienst.«

5 Jahrzehnte voller bewegender Sozialdramen, Komödien und Dokumentarfilme über die Arbeiterklasse hat der 83-jährige Meisterregisseur nun hinter sich, von denen das Kommunale Kino guckloch die meisten gezeigt hat. Sogar eine umfangreiche Werkschau hatten wir einmal zu Ken Loach.

Neben seinem Blick für Kameraeinstellungen und passende Drehorte hat Ken Loach auch einen besonderen Zugang zu seinen Schauspielern, diese gehen für ihn extrem weit. Rhys Stone und Katie Proctor, die die Kinder spielen, wurden vom Schulhof beziehungsweise aus dem Spanischunterricht heraus direkt zum Vorsprechen eingeladen. Und Debbie Honeywood, die zwanzig Jahre als Lehrerin in Nordengland gearbeitet hat, war ursprünglich als Film-Extra bei einer Agentur gemeldet. Nach einem Drink mit Loach stand fest, dass sie die weibliche Hauptrolle spielen würde. Loach dreht seine Filme chronologisch, gibt den Schauspielern immer nur ein paar Seiten des Skripts. Zum Teil wissen sie nicht, was das Gegenüber als nächstes tun wird. So kitzelt er aus den Laien Emotionen, die manche Stars auch nach Jahren auf Filmschulen nicht hinbekommen.

 

Ein äußerst sehenswertes Sozialdrama von einem Meister seines Faches. Und ein Anreiz, mal wieder nicht im Internet zu bestellen…

Zusammengestellt von Kilian Schmidt