Mazedonien 2019

 

Regie u. Skript: Tamara Kotevska, Ljubomir Stefanov

Kamera: Fejmi Daut, Samir Ljuma

Mitwirkende: Hatidze Muratova, Nazife Muratova, Hussein Sam, Ljutvie Sam

 

85 Minuten

Original (Türkisch, Mazedonisch, Serbokroatisch)
mit deutschen Untertiteln



Villingen
Mittwoch, 29. Juli 2020
18:00 Uhr
Donaueschingen
Montag, 27. Juli 2020
20:00 Uhr
HoneylandHoneylandHoneyland
Honeyland
Land des Honigs

Hatidze, die Protagonistin des Films, lebt zurückgezogen in einfachsten Verhältnissen in einem nordmazedonischen Gebirgsdorf, wo sie als Imkerin eine Wildbienenzucht betreibt. Daneben versorgt sie noch ihre gelähmte Mutter bis zu deren Tod. Hatidze versteht ihr Handwerk auf traditionelle, naturnahe Art, d.h. u.a. den Bienen die Hälfte des produzierten Honigs zu überlassen. Oft singt sie während ihrer Arbeit, die sie ohne Hand- und Gesichtsschutz verrichtet, und vermittelt den Eindruck tiefer Verbundenheit mit der Natur. Ab und zu bricht sie in die mazedonische Hauptstadt Skopje auf, um auf dem dortigen Markt ihren geernteten Honig zu verkaufen. Dabei genießt sie sichtlich das bunte Marktgeschehen als Abwechslung zu der Einsamkeit in den Bergen.

Ihr idyllisches Leben ändert sich jedoch, als eine nomadische, türkischsprachige Großfamilie im Wohnwagen und mit viel Lärm in ihre direkte Nachbarschaft zieht. Da sie dieselbe Sprache sprechen wie sie, freut sie sich zunächst über den neuen Kontakt. Die neuen Nachbarn betreiben neben der Rinderhaltung auch die Bienenzucht. Allerdings betrachten sie den Honig vor allem als profitables Verkaufsgut und gehen daher wenig umsichtig mit den natürlichen Ressourcen um. Es kommt zwangsläufig zu Spannungen zwischen den Konfliktparteien, die sich erst lösen, nachdem die 'Störenfriede' den Ort wieder verlassen haben.

Beim Filmfestival in Sundance wurde 'Land des Honigs' 2019 als Bester Dokumentarfilm ausgezeich-net. Zudem ist er gleich zweimal für den diesjährigen Oskar nominiert. Die beiden Filmschaffenden Kotevska und Stefanov beobachten das Geschehen teilnehmend und völlig ohne Urteil. Dies bleibt dem Zuschauer überlassen. Mit seinen stimmungsvollen Landschafts- und Porträtbildern strahlt der Film über weite Strecken eine große Ruhe und Harmonie aus, die beinahe lyrisch wirkt.

Im Kern geht es um das vielschichtige, aber auch fragile Verhältnis des Menschen zur Natur und trifft damit auch den Zeitgeist. Dabei kann der Film dafür sensibilisieren, dass der Mensch ein Teil der Natur ist und diese daher nicht rücksichtslos ausbeuten darf.

Walter Rau