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Guckloch Filmgeschichte(n)
Als das Programmkino zum Arthouse-Cinema wurde: Das Kino der 80er Jahre

Entwicklungen in der Geschichte des Kinos halten sich nicht immer an Dekadengrenzen, daher ist es eigentlich meist müßig, über das Kino eines bestimmten Jahrzehnts zu sprechen. Und die Veränderung der Kinolandschaft, über die ich in dieser Ausgabe der „Guckloch Filmgeschichte(n)“ sprechen will, beginnt irgendwann Anfang der 80er-Jahre und findet ihren Abschluss – oder wenn man so will – etwa Mitte der 90er Jahre.

Bis dahin war die Kinolandschaft in Deutschland recht klar aufgeteilt – in Programmkinos und Erstaufführungshäuser. Die Erstaufführungshäuser spielten die aktuellen neuen Kinohits, wenn möglich zum Starttermin, wenn das Pressecho am größten war. Für diese Kinos galt die von den Filmverleihern auferlegte „Prolongationspflicht“ (die es übrigens auch heute noch gibt). Das heißt, wenn ein Film erfolgreich genug war, wurde er Woche um Woche verlängert. Dadurch war das Programm immer nur jeweils eine Woche voraus bekannt. Die Programmkinos hingegen spielten „Repertoire“ – mit einem festen, in der Regel einem Monatsprogramm. Die Laufzeit eines Films war also von vornherein festgelegt, selten betrug sie mehr als eine Woche. Dafür spielten die Programmkinos ältere Filme aus dem Repertoire der Verleiher und Wiederaufführungen von Filmklassikern. Naturgemäß lagen die Eintrittspreise der Programmkinos deutlich unter denen der Erstaufführungshäuser.

Diese Unterscheidung hat sich in der Zeit, um die es hier geht, grundlegend verändert. Aus fast allen ehemaligen Programmkinos wurden „Arthouse-Cinemas“ und an die Stelle der großen alten Erstaufführungshäuser traten ab Anfang der 90er Jahre die Multiplex-Kinos. Die Arthouse-Cinemas spielen heute ebenfalls fast ausschließlich Erstaufführungen zum Starttermin und unterliegen der Prolongationspflicht der Verleiher. Von den Multiplexen unterscheiden sie sich nur dadurch, dass sie „Arthouse-Filme“ im Gegensatz zu „Blockbustern“ zeigen. Das Guckloch-Kino ist dabei so etwas wie ein Zwitter geworden. Auf der einen Seite zeigen auch wir hauptsächlich neuere Arthouse-Filme, andererseits sind wir aber auch noch ein Programmkino und unterliegen nicht der Prolongationspflicht.

Aber was ist eigentlich ein „Arthouse-Film“? Eine Frage, die sicher nicht ganz einfach zu beantworten ist und auch im Guckloch schon für Diskussionen gesorgt hat. Sicher ist, dass der Begriff heute wie eine Genre-Bezeichnung verwendet wird und jeder zumindest ein unbestimmtes Gefühl davon hat, was Arthouse-Filme sind und was (im Gegensatz dazu) Mainstream-Filme sind. Und übereinstimmend lässt sich sagen, dass die ersten typischen Arthouse-Filme Mitte der 80er Jahre auftauchten – womit wir auch schon beim Thema dieser Reihe wären, die ebenso gut den Titel tragen könnte: „Die Geburt des Arthouse-Films“.

Die 80er-Jahre waren ein Jahrzehnt, das zahlreiche Filmklassiker hervorbrachte, gerade auch im Mainstream-Bereich. Filme, an die sich auch heute noch viele Menschen mit Begeisterung zurückerinnern, und die zu zeitlosen Klassikern geworden sind: Ghandi (1982), Blade Runner (1982), When Harry Met Sally... (1989), Jumpin Jack Flash (1985), Amadeus (1984) oder Rain Man (1989), um nur einige zu nennen. Eine Erscheinung, die bis heute wesentliche Teile des Programms der Multiplexe prägte, nahm ihren Anfang ebenfalls in den 80er-Jahren: Der Hang zu Serien-Filmen und Sequels. Terminator (1984, fünf Fortsetzungen bis 2015), Stirb langsam (1988, vier Fortsetzungen bis 2013), Star Trek (1979, zwölf Fortsetzungen bis 2016), Raiders of the Lost Ark (Indiana Jones) (1981, drei Fortsetzungen bis 2008) nahmen alle ihren Anfang in dieser Zeit.

Nicht durch Zufall fallen aber auch die Debutfilme oder ersten Erfolge von einigen Filmemachern, die später zu den Aushängeschildern der neuen Arthouse-Welle werden sollten, in die 80er-Jahre: Joel & Etan Coen (Blood Simple, 1984), Jim Jarmush (Permanent Vacation, 1980), Emir Kusturica (Erinnerst Du Dich an Dolly Bell?, 1981), Stephen Frears (Mein wunderbarer Waschsalon, 1984), Lars von Trier (Element of crime, 1984), Luc Besson (Le dernier combat, 1983) oder Zhang Yimou (Rotes Kornfeld, 1988).

Angesichts dieser Fülle von Filmen ist es mir diesmal besonders schwer gefallen, eine Auswahl von vier Filmen zu treffen, an denen sich die Anfänge des Arthouse-Kinos besonders zeigen lassen. Vieles was herausfallen musste, wäre sicher ebenso des Wiedersehens wert: Paris, Texas (Wim Wenders, 1986), Sammy and Rosie get laid (Stephen Frears, 1986), Time of the Gipsies (Emir Kusturica, 1989), Cinema Paradiso (Giuseppe Tornatore, 1988), Tampopo (Jûzô Itami, 1985) … und so fort ….

Richard Hehn