Indien/Deutschland 2017

Regie und Buch: Kanwal Sethi
Bildgestaltung: Eeshit Narain, Conrad Lobst
Musik: Talvin Singh
Montage: Andreas Wodraschke, Sören E. Bilsted, Anja Siemens
Produktion Neufilm GmbH Holm Taddiken Darsteller Shefali Shah, Neeraj Kabi, Rasika Dugal

98 Minuten

FSK: keine Angabe

Festivals & Preise
Biberacher Filmfestspiele 2018: Goldener Biber (bester Spielfilm)

Original (Hindi)
mit deutschen Untertiteln



Villingen
Mittwoch, 19. Juni 2019
17:00 Uhr (DF)
20:15 Uhr (OmU)
Donaueschingen
Montag, 17. Juni 2019
20:00 Uhr
Once Again

ara ist eine verwitwete Mutter, die in der indischen Großstadt Mumbai ein kleines Restaurant betreibt. Den ganzen Tag über steht die 54jährige in der Küche und managt den Betrieb, wobei sie landestypisch nicht nur die Gäste im Lokal bedient, sondern landestypisch auch Kunden mit Lunchboxes beliefert. Einer dieser Kunden ist der alternde Filmstar Amar. Der 65 jährige hat eine erwachsene Tochter, lebt von seiner Frau getrennt, steht vor der Scheidung und hadert mit sich selbst, dem Älterwerden und seiner Zukunft als Filmschauspieler.

 

Aus einem zufälligen Telefonat zwischen Tara und Amar hat sich ein Ritual entwickelt: Seit einem Jahr telefonieren beide, jeder auf seine Art einsam, fast jeden Abend miteinander. Erzählen sich, was sie am Tag erlebt haben und wie es ihnen geht. Als Amar seine Köchin zu einem persönlichen Treffen drängt, bringt er sie, die ihn bisher nur auf der Leinwand gesehen hat, in einen großen Konflikt. Nicht nur, dass sie Scheu hat, in ihrem Leben nochmal eine neue Beziehung einzugehen. Es widerspricht auch den gesellschaftlichen Konventionen, dass einer „von oben“ eine Beziehung mit einer „von unten“ hat. Zögerlich gibt sie dem Wunsch dennoch nach. Immer wieder trifft sie sich heimlich mit Amar, und beide gehen spazieren. Als ein Paparazzo sie dabei erwischt und das Foto tags darauf in der Zeitung erscheint, wird Taras Leben kräftig durcheinandergewirbelt.

Once Again ist ein wundervoll gespielter Film voller Poesie und mit einer außergewöhnlichen Bildgestaltung. Ganz oft blickt die Kamera durch Tücher oder unscharfes Laub hindurch, die flirrenden Lichter der Stadt und das Spiel mit Schärfe und Unschärfen unterstreicht die Stimmung dieser romantischen Liebesgeschichte. »Wir haben mit alten Panavision-Optiken aus den 1970er Jahren an der modernen Digitalkamera gedreht, dadurch entstand dieser ganz besondere Look«, erklärte der Produzent Holm Taddiken beim Filmgespräch der Biberacher Filmfestspiele.

In Indien fand Once Again nach Aussage des Produzenten viel Beachtung im Kino, wurde nach Jahren der Bollywood-Filme, in denen Liebesgeschichten mit Gesang und Tanz erzählt werden, als „Wiedergeburt der Old School Romance“ gefeiert. Die Spielfilm-Jury der „Biberacher Filmfestspiele“ begründete ihre Entscheidung für den Hauptpreis an Once Again damit, dass der Film »ein besonderes cineastisches Vergnügen ist. Die Handlung besitzt Leichtigkeit und ist unaufdringlich erzählt, und der Zuschauer hat Zeit, sich fast wie in einem Traum darin aufzulösen. Manche Unsicherheit seiner Protagonisten wird nur über Blicke erzählt, was dadurch Spielraum für die eigene Interpretation lässt und schließlich dazu führt, dass Männer ganze Szenen anders interpretieren als Frauen.«

Klaus Peter Karger