Frankreich 2019

Regie: Louis-Julien Petit
Drehbuch: Louis-Julien Petit, Claire Lajeune, Marion Doussot
Bildgestaltung: David Chamballe
Musik: Laurent Perez Del Mar
Montage : Antoine Vareilly, Nathan Delamoy
Produktion : Liza Benguigui, Philippe Dupuis-Mendel
Darsteller : Corinne Masiero, Audrey Lamy, Adolpha van Meerhaege, Noemie Lvovsky, Deborah Lukumue

102 Minuten

FSK: ab 6

Original (Französisch)
mit deutschen Untertiteln



Villingen
Mittwoch, 20. November 2019
20:15 Uhr
Donaueschingen
keine Vorstellung
Le Inivisibles
Der Glanz der Unsichtbaren

Sozialdrama und Komödie – funktioniert das? Aber natürlich. Regisseur Louis-Julien Petit zeigt, wie es geht in seinem zweiten Spielfilm „Der Glanz der Unsichtbaren“.

 

Dieser handelt von obdachlosen Frauen in einer französischen Kleinstadt. Täglich treffen sie sich in einer Tagesstätte, die von Sozialarbeiterinnen, teils ehrenamtlich, geleitet wird. Hier sollen die Frauen dabei unterstützt werden, wieder einen normalen Alltag zu führen. Doch als die Stadtverwaltung errechnet, dass lediglich vier Prozent der obdachlosen Frauen zurück ins Berufsleben kehren, beschließt sie, die Tagesstätte zu schließen. Bei den Betroffenen und den Sozialarbeiterinnen regt sich Widerstand ...

 

Louis-Julien Petits zweiter Spielfilm basiert einerseits auf einem Sachbuch über Obdachlosigkeit in Frankreich und zum anderen auf einer TV-Dokumentation. Schon jetzt wird Petit als der französische Ken Loach bezeichnet, was sich daraus ergibt, da er gezielt soziale Probleme aufgreift. In „Le Invisibles“, so der Originaltitel, lässt der Regisseur neben professionellen Schauspielern auch viele Laiendarstellerinnen agieren. Das Besondere dabei ist, dass eben jene Laienschauspielerinnen früher einmal selbst obdachlos gewesen waren und daher diese Situation am eigenen Leib erfahren mussten.

 

Besonders dies macht den Film unglaublich real. Ein zweiter Punkt, welcher „Der Glanz der Unsichtbaren“ nicht wie einen Spielfilm erscheinen lässt, ist der dokumentarische Stil, der die Geschichte bestimmt. Petit greift sich keine der Frauen als Hauptfigur heraus, sondern liefert ein Gesamtbild ab, indem er sämtliche Protagonistinnen objektiv beobachtet, wodurch er auch Lücken in deren Biografien in Kauf nimmt. Doch gerade dies verschafft diesem Film seine Besonderheit. Auch wenn dies nicht danach klingt, Petit lässt in das Drama einen weichen Humor einfließen, mit dem er zugleich das französische Sozialsystem aufs Korn nimmt. Und in einer Zeit, in der das Armutsrisiko rasant steigt und die Lücke zwischen Arm und Reich immer weiter auseinanderklafft, setzt „Der Glanz der Unsichtbaren“ ein eindeutiges und wichtiges Zeichen.

Max Pechmann