Südkorea 2018

Regie: Lee Chang-Dong
Drehbuch: Lee Chang-Dong, Oh Jung-Mi
Bildgestaltung: Hong Kyung-Pyo
Musik: Mowg
Montage: Kim Hyun, Kim Da-Won
Produktion: Og Kwang-Hey, Lee Joon-Dong
Darsteller: Yoo Ah-In, Steven Yeun, Jeong Jong-Seo

148 Minuten

FSK: ab 16

Preise:
National Society of Film Critics Award, Asian Film Award, Grand Bell Award, PaekSang Arts Award

Original (Koreanisch)
mit deutschen Untertiteln



Villingen
Mittwoch, 13. November 2019
17:00 Uhr (deutsch)
20:15 Uhr (OmU)
Donaueschingen
keine Vorstellung
버닝
Burning

Regisseur Lee Chang-Dong gehört eindeutig in die Riege der Meisterregisseure. Sein neuestes Werk Burning wurde von der ZEIT euphorisch als bester Film aller Zeiten bezeichnet. Mit Preisen nur so überhäuft, war sein Film ebenfalls für den Oscar und die Goldene Palme nominiert.

Burning basiert sowohl auf einer Kurzgeschichte von Haruki Murakami als auch auf einer Erzählung von William Faulkner. Beide Kurzprosastücke verwebte Lee Chang-Dong zusammen mit seiner Ko-Autorin Oh Jung-Mi zu einem der wohl außergewöhnlichsten Filme der letzten Jahre.

Es geht um den Lieferanten Jong-Su, der eigentlich Schriftsteller werden möchte. Allerdings hat er bisher noch nichts zu Papier gebracht, da er noch immer nach einem passenden Stoff sucht. Eines Tages begegnet er seiner früheren Mitschülerin Hae-Mi, die kurz vor ihrer Reise nach Afrika steht. Sie bittet ihn, während ihres Abwesenheit auf ihre Katze aufzupassen. Jong-Su, der hofft, nach ihrer Rückkehr weiter mit ihr zusammen sein zu können, fällt quasi aus allen Wolken, als Hae-Mi mit einem reichen, jungen Mann namens Ben zurückkehrt. Eines Tages ist Hae-Mi plötzlich verschwunden …

Was ist geschehen? Genau um diese Frage dreht sich Lee Chang-Dongs Meisterwerk, in dem lediglich drei Schauspieler die Handlung vorantreiben. Auf diese Weise wandelt sich Burning nach und nach von einem Film über eine außergewöhnliche Dreierbeziehung in einen Thriller, der den Zuschauer nicht mehr loslässt. Es geht um zerstörte Träume, um Eifersucht, um Selbstfindung und nicht zuletzt um falsche Verdächtigungen. Besonders der letzte Punkt führt dazu, dass sich Jong-Su und Ben nicht mehr wirklich über den Weg trauen.

Der Film packt den Zuschauer und lässt ihn nicht mehr los. Das Rätsel um Hae-Mis Verschwinden ist ein wahres cineastisches Meisterstück, das von vielen Kritikern mit den Werken David Lynchs verglichen wird. In Lee Chang-Dongs Film scheint zunächst nichts mysteriös zu sein. Doch es sind die Details, die Burning eine subtile surreale Note verleihen, bis Jong-Su sich selbst nicht mehr im Klaren ist, was um ihn herum vorgeht.

In Korea gehört Hauptdarsteller Yoo Ah-In längst zu den bekanntesten Schauspielern. Nicht weniger sein Kollege Steven Yeun, der u. a. regelmäßig auch in amerikanischen Produktionen zu sehen ist. Die erstaunlichste Karriere allerdings legte Jeong Jong-Seo hin, die in Burning ihr Debut gibt. Kurz davor hatte sie sich erst an der Uni für ein Schauspielstudium eingeschrieben.

Lee Chang-Dong, der bereits durch sein mehrfach ausgezeichnetes Drama Secret Sunshine international Aufsehen erregt hatte, zeigt in Burning, dass die These stimmt: Die besten Filme kommen zurzeit eindeutig aus Südkorea.

Max Pechmann