Peru 2017

Regie: Heeder Soto
Produktion: Saywa Films

72 Minuten

Original (Spanisch, Quechua)
mit deutschen Untertiteln



Villingen
keine Vorstellung
Donaueschingen
Montag, 11. November 2019
20:00 Uhr
Titiqaqa y los rostros desaparecidos
Titicaca und die verschwundenen Gesichter

Als „Tor zur Hölle“ bezeichnet der Filmemacher Heeder Soto in seinem neuen Film diesen Ort, an dem der peruanische Staat sämtliche Autorität aufgegeben zu haben scheint. Menschenhandel und Zwangsprostitution sind dabei die Themen, die am liebsten unter den Teppich gekehrt werden. Nicht so einfach zu verdecken sind aber die Folgen des Goldabbaus für die Umwelt. Die Rückstände der Minenindustrie hinterlassen tote Flussbette, abgestorbene Wiesen und Weiden, massenhaftes Fischsterben, verendete Alpacas und andere Weidetiere, die die Lebensgrundlage der bäuerlichen Bevölkerung bilden. Am Unterlauf der Zuflüsse verschlimmern noch die Abfälle aus den großen Städten wie Juliaca und Puno die Situation, so dass spätestens hier viele Flüsse in eine einzige stinkende Kloake verwandelt werden. Der Müll wird einfach in die Flussläufe entsorgt, da die städtische Abfallbeseitigung vielerorts nicht funktioniert. Zudem fehlt es an den Zuflüssen zum Titicacasee an modernen Anlagen zur Abwasserbehandlung, und die Wasseraufbereitung für die Orte rund um den See ist völlig unzureichend. So gelangen die Abwässer völlig ungeklärt in den See, der jährlich von mehr als 750 000 Touristen besucht wird. Die Wasserverschmutzung ist aber auch vor allem eine Gefahr für die lokale Bevölkerung. Der Zugang zu sauberem Trinkwasser ist für viele An-wohner nicht gewährleistet. Sie leiden unter den gesundheitlichen Folgen des Konsums von vergiftetem Wasser. Ausschläge und Durchfallerkrankungen sind die Folge.

Was hat dies mit Europa, insbesondere Deutschland zu tun? Der Film zieht hierbei eine Parallele zum Braunkohleabbau bei Hambach durch die RWE und die damit verbundene Umweltverschmutzung. Neuerdings kommt auch die Grenzregion am Titicacasee zwischen Bolivien und Peru in das Blickfeld der Öffentlichkeit wegen des Abbaus von Lithium, dem Rohstoff für Batterien für E-Autos. Das heißt: Unsere Energiewende geht zu Lasten von Ressourcenverbrauch und der Vernichtung dortiger bäuerlicher Existenzen.

Der Perukreis Donaueschingen bemüht sich auf den Spieltermin genau seit 30 Jahren um die indigene Bevölkerung in einer Gemeinde in der peruanischen Großstadt Trujillo. Diese musste ihre Andenheimat nicht zuletzt wegen der Folgen des Rohstoffabbaus und der damit verbundenen Umweltschäden verlassen. Unserer Gruppe geht es hauptsächlich um den subsidiären Aufbau von Schulbildung im sozialen und christlichen Kontext.

Bei Interesse besteht nach dem Film noch die Möglichkeit zum Gedankenaustausch.

Elmar Enssle